Hugh Grant ist verwickelt in "A very english scandal"

Hugh Grant und Ben Whishaw spielen in "A very english scandal" ein Skandal-Paar.
Hugh Grant und Ben Whishaw spielen in "A very english scandal" ein Skandal-Paar.
Foto: BBC
Sex, Lügen, Mordkomplott: TV-Dreiteiler mit Hugh Grant über eine wahre Affäre, die 1979 ganz England erschütterte.

Hugh Grant (GOLDENE KAMERA Preisträger 2003) erinnert sich gut an den Skandal: 1979 steht der angesehene Politiker Jeremy Thorpe in London vor Gericht. Er soll geplant haben, seinen Liebhaber zu beseitigen. „Ich war damals 19“, erzählt Grant. „Das Ganze war sehr amüsant, die Verhandlung hatte etwas von einer Monty-Python-Satire.“ In der TV-Premiere „A Very English Scandal“ (Sa, 22. August, alle drei Teile ab 20.15 Uhr bei Tele 5) verkörpert Grant den hinterlistigen Gentleman, dem der Prozess gemacht werden soll.

Wilde Story mit viel schwarzem Humor

Die wilde wahre Geschichte, die Regisseur Stephen Frears („Die Queen“) mit viel schwarzem Humor aufbereitet, beginnt viel früher: Anfang der 1960er. Homosexualität ist in Großbritannien strafbar – und der charmante Karrierist Jeremy Thorpe dabei, Vorsitzender der Liberalen Partei zu werden. Da lernt er Norman Scott kennen, einen unbedarften jüngeren Mann, den er zu seinem „Häschen“ macht. Belastende Liebesbriefe Bald wird Scott lästig – und abserviert. Wütend geht er zur Polizei: mit Liebesbriefen, die Thorpe unterzeichnet hat. Sie landen sogar beim Geheimdienst, verschwinden aber im Giftschrank.

Hugh Grant in "A very english scandal"

Doch Scott gibt nicht auf: Er schickt ein Erpresserschreiben an Thorpes Mutter. Da man nun fürchtet, die Affäre könne doch noch publik werden, beschließt man: Der „Parasit“ muss weg! Zumal der Abgeordnete Thorpe es für opportun hält, baldmöglichst zu heiraten.

Regisseur Frears verarbeitet den wahren Eklat mit all seinen delikaten Details zu einer wahnwitzigen Farce: Wie sich die Kontrahenten immer tiefer in die Affäre hineinreiten, ist absolut sehenswert. „Ich bin sehr wählerisch, aber dieses Drehbuch war Dynamit“, schwärmt Hugh Grant. Obwohl er fand, er sei zu alt für die Rolle, sagte er zu. „Anfangs gebe ich einen 30-Jährigen, war aber schon 57. Zum Glück sahen die Leute seinerzeit generell älter aus. Und unser Maskenbildner hat meinen Haaransatz rasiert – total unsexy.“

Grants Filmpartner Ben Whishaw („Das Parfum“) gewann für seine Darstellung des Norman Scott alle wichtigen internationalen Preise. Zu Recht: Der Zuschauer weiß nie genau, wie naiv oder berechnend Norman wirklich ist. „Es war mir ein Vergnügen, Ben zu küssen“, betont Grant. „Hinterher hatte ich allerdings Ausschlag von seinen Bartstoppeln.“

Skrupellos, aber tragisch

Politiker sind durch den Film nicht in Grants Achtung gestiegen. „Ein weiser Mann sagte mal: ,Politik ist Showbusiness für Hässliche.‘ Das stimmt. Politikern geht es in erster Linie um Aufmerksamkeit und die eigene Karriere. Meine Beschäftigung mit dem Skandal und mit Thorpe selbst, der skrupellos an seinem Aufstieg feilte, hat das nur bestätigt.“ Grant, der 1995, als er mit einer Prostituierten erwischt wurde, selbst im Zentrum eines Skandals stand, rät: „Der beste Weg, damit umzugehen, ist offensiv. Man muss dazu stehen. So habe ich es gehandhabt. Je mehr man versucht, sich rauszureden, desto schlimmer wird es. Aber es waren andere Zeiten.“

Deshalb sieht – und spielt – der Star den 2014 verstorbenen Thorpe auch nicht als Monster, sondern als tragische Figur. „Er war ein Narzisst, süchtig nach Anerkennung. Aber als Homosexueller, der sich nicht outen durfte, muss er sehr gelitten haben. Glücklicherweise können Politiker heute offen schwul sein.“