Andreas Wunn zum MoMa-Relaunch: "Wir haben immer noch ein Sofa"

Andreas Wunn (45) leitet das „Morgenmagazin“ seit 2016.
Andreas Wunn (45) leitet das „Morgenmagazin“ seit 2016.
Foto: © ZDF / Markus Hintz
Andreas Wunn ist seit 2016 Redaktionsleiter und Moderator beim "ZDF-MoMa". Wir sprachen mit ihm exklusiv über das neue Studio, die neue Technik und das neue Erscheinungsbild.

Exklusive Enthüllungen, die neuesten Infos zu aktuellen Themen und Live-Interviews mit wichtigen Persönlichkeiten: Das sind die Zutaten für das reichhaltige Nachrichten-Büfett, mit dem das ZDF-„Morgenmagazin“ uns alle 14 Tage zur Frühstückszeit in den Tag lockt, montags bis freitags, 5.30 bis 9 Uhr. So weit, so bekannt. Doch wenn die Zuschauer am 7. September einschalten, ist - mit Ausnahme der bekannten Gesichter - alles neu.

Andreas Wunn (45), Redaktionsleiter und Moderator, verrät exklusiv, wie das neue Studio und Design aussehen wird und welche neue Technik zum Einsatz kommt.

Andreas Wunn im Interview

Herr Wunn, wie verändern Sie das ZDF-Moma?

Andreas Wunn: Indem wir das Studio modernisieren und unsere Arbeit transparenter präsentieren. Wir bauen nicht einfach eine neue Kulisse, sondern schaffen einen Raum für unsere Moderatorinnen und Moderatoren, in dem sie sich besser entfalten können. Künftig ist der zentrale Ort eine „Moderationsinsel“ – d.h., ein großer Tisch, an dem die Moderatoren während der Sendung sitzen, kontinuierlich an den Nachrichten arbeiten und die Ergebnisse live präsentieren. Außerdem modernisieren wir unsere Grafiken.

Warum eine „Moderationsinsel“?

Andreas Wunn: Dort wird das Teamwork am Morgen visuell und räumlich betont, ohne dass das Ganze wie ein Newsroom wirkt. Konkret heißt das: Ab dem 7. September sitzen unsere beiden Hauptmoderatoren an der Moderationsinsel - mal alleine, mal zusammen mit Gästen, mal mit den Sport- und Wetterkollegen. Der Wunsch nach mehr Transparenz zieht sich übrigens bereits seit einigen Jahren durch das ZDF-Moma. Seit Anfang 2019 führen ich sowie meine Stellvertreterin und mein Stellvertreter nach der Sendung Gespräche mit den Zuschauern im Moma-Café – und stellen uns dort den Fragen der Menschen. Jetzt passen wir auch das Studio an den Transparenzgedanken an.

Welche neuen Elemente gibt’s noch?

Andreas Wunn: Wir haben immer noch ein Sofa, weil wir nicht nur harte News präsentieren, sondern auch Kultur und Service sowie bunt-gefächerte Gäste. Aber das Sofa ist nicht mehr das zentrale Element. Außerdem werden wir das lineare Fernsehen mehr mit Online und Social Media verschmelzen. Deshalb gibt es künftig einen neuen, vertikalen Studiomonitor im menschengroßen Handyformat - inklusive Touch Screen. Auf diesem Monitor können wir 1:1 Handy- oder Social Media-Inhalte präsentieren. Beispielsweise lassen sich dort Online-Module von unserer neu relaunchten App „ZDF heute“ viel besser ins Moma einflechten.

Erneuern Sie auch das Grafikkonzept?

Andreas Wunn: Ja, das neue Grafikkonzept beinhaltet einen gestalteten Sonnenaufgang. Künftig wird das Moma bunter – denn die Farben, die die Zuschauer schon bald in unserem Logo sehen, sind echte Farben von vielen verschiedenen Sonnaufgängen in ganz Deutschland. Außerdem wird das „o“ in Moma unten grafisch angeschnitten, damit es wie eine aufgehende Sonne aussieht. Diese Idee ist sehr schön, weil wir uns als Redaktion verstehen, mit der die Zuschauer in den Tag starten.

Wovon haben Sie sich in der rund zweijährigen Entwicklungsphase inspirieren lassen?

Andreas Wunn: Erstens vom bereits erwähnten Gedanken der Transparenz, zweitens vom Bestreben nach Modernität und drittens von der Idee, die Moderatorinnen und Moderatoren in ihren Rollen zu stärken. Künftig sollen die Zuschauerinnen und Zuschauer sie viel mehr als Anker wahrnehmen, der sie morgens zuhause erreicht. Im alten Studio wirkten die Moderatoren manchmal ein bisschen verloren, aber jetzt „zoomen“ wir sie näher ran an den Zuschauer – unterstützt von einem Set, das ihre einordnende, journalistische Rolle stärkt.

Was ist Ihre Mission? Was ist Ihr Anspruch? Schlagzeilen generieren? Sachverhalte hinterfragen?

Andreas Wunn: Sachverhalte zu hinterfragen ist natürlich die ureigenste Aufgabe des Journalismus. Wir wollen informieren und einordnen - und das wollen wir am Morgen besser machen als alle anderen. Dabei jedoch soll die Schnelligkeit nicht die wichtigste Rolle spielen. Im Gegenteil: Mir sind Gründlichkeit und Korrektheit wichtiger als der Erste zu sein. Und natürlich möchten wir auch zitiert und mit unseren Interviews wahrgenommen werden.

Was ist das Besondere des „ZDF Moma“ im Direktvergleich zum Frühstücksfernsehen von Sat.1, RTL und der ARD?

Andreas Wunn: Mit Sat.1 und RTL vergleichen wir uns nicht wirklich, weil wir andere Sendungen machen. Wenn Sie sich am Morgen politisch informieren wollen, dann schauen Sie ZDF oder ARD. Zur ARD: Wir sind befreundete Konkurrenz, aber ein Unterschied ist, dass wir die Gesprächsgäste und Spitzenpolitikerinnen und -politiker im Studio haben. Bei der ARD wird nach Berlin geschaltet, aber es sind nicht die Hauptmoderatorinnen und -moderatoren, die dort die Gespräche führen. Der Standort Berlin ist für unsere Redaktion ein großes Plus, weil immer wieder unsere eigenen Reporterinnen und Reporter aus der Hauptstadt berichten. . Es macht Sinn, dass eine aktuelle Redaktion am Morgen in der Hauptstadt angesiedelt ist.

Welche Inhalte verändern Sie im Rahmen des Re-Designs? Bleiben die Interviews mit Pressevertretern? Bleibt Cherno Jobateys Spaziergang mit Protagonisten? Bleiben die Live-Elemente und das Studiopublikum auf der 08:30-Uhr-Schiene?

Andreas Wunn: Dreimal ja. Inhaltlich werden wir nicht viel verändern, weil wir diesen Prozess der Formatarbeit bereits vor rund drei Jahren angestoßen haben. Seitdem gibt’s mehr Live-Strecken, die „Moma vor Ort“-Sendungen und seit 2019 auch ein Moma-Duell. Unser Moma-Café bekommt ebenfalls ein Re-Design. Künftig hat es eher einen Lounge-Look. Dort wird auch das politische Streitgespräch einmal pro Woche stattfinden – und den Bandauftritt können wir dort ebenfalls attraktiver gestalten.

Gibt es Zu- oder Abgänge bei den Moderatoren?

Andreas Wunn: Nein, da bleibt alles beim Alten.

Wie teuer ist das neue Studio?

Andreas Wunn: Für das neue Studioset von ZDF-Morgenmagazin und Moma-Café sowie das neue Grafikdesign hat das ZDF einen höheren sechsstelligen Betrag investiert. Das bisherige Studio war neun Jahre lang auf Sendung. Auch vom neuen Studiodesign werden wir viele Jahre profitieren.

Welche ZDF-Moma-Specials in 2020 sind bereits spruchreif?

Andreas Wunn: 30 Jahre Deutsche Einheit sowie die US-Wahl. Am 3. Oktober wünschen wir uns eine große Live-Aktion vor Ort. Und Anfang November gibt’s zur US-Wahl eine große, nächtliche ZDF-Sondersendung. Danach berichten wir im Moma über die Wahl – und senden bestimmt über die 9-Uhr-Grenze hinaus.

Was haben Sie sich für den ersten Sendetag aus dem neuen Studio einfallen lassen?

Andreas Wunn: Nichts Besonderes. Wir proben zwei Wochen lang wie verrückt und hoffen dann, dass alles funktioniert. Das Besondere wird das neue Design sein, unsere größte Herausforderung die Technik hinter den Kulissen. All das müssen wir auf die Reihe bekommen.

Gibt’s auch ein Re-Design der Tassen?

Andreas Wunn: Ja, es gibt eine neue Tasse – und selbst die alte Moma-Musik wird aufgefrischt. Sie transportiert in vertrauten Klängen aber modernisiertem Sounddesign auch künftig journalistische Tiefe und gleichzeitig inhaltliche Verspieltheit. Komponiert hat sie Hans Günter Wagener, ein alteingesessener, freier Komponist, der bereits seit 30 Jahren für’ das ZDF viele Sendungstitel komponiert hat – zum Bei

Zuletzt nochmal auf den Punkt gebracht: Worauf liegt der absolute Fokus bei der Erneuerung des Moma?

Andreas Wunn: Das absolut Wichtigste ist unser Grundkonzept: Wir senden nicht mehr aus einer Kulisse, sondern schaffen einen Raum, der Transparenz transportiert. Zusammen mit der grafischen Idee des Sonnenaufgangs hat das neue ZDF-Moma eine moderne Eleganz.