Der 30. Fall von "Kommissarin Lucas" zeigt das Elend auf dem Bau

In der Jubiläumsfolge "Kommissarin Lucas: Die Unsichtbaren" tritt der im Juli verstorbene Tilo Prückner ein letztes Mal als grantelnder Vermieter Max auf.

Am 2. Juli verstarb Tilo Prückner an Herzversagen. Seit 2003 mauserte sich Prückner als kauziger Hausmeister und Dombaumeister Max Kirchoff zum heimlichen Star der Reihe "Kommissarin Lucas". In der 30. Jubiläumsfolge "Die Unsichtbaren" (Samstag, 29. August, 20.15 Uhr im ZDF, in der Mediathek) werkelt und schimpft Max nun zum letzten Mal.

Darum geht's in "Kommissarin Lucas: Die Unsichtbaren"

Bei einer nächtlichen Verkehrskontrolle werden Zollbeamte an der tschechischen Grenze auf ein Fahrzeug aufmerksam. Die Insassen flüchten, zurück bleibt die Leiche eines Osteuropäers, der den Untersuchungen zu Folge von einer Eisenstange durchbohrt wurde.

Er trägt keinen Personalausweis bei sich. Doch über seinen Zahnabdruck kommt Kommissarin Ellen Lucas (Ulrike Kriener) an den Namen auf der Krankenkassenkarte: Christian Simonescu (Attila Georg Borlan). Komisch nur, dass dieser quicklebendig als Polier bei genau der Baufirma arbeitet, auf die auch das sichergestellte Auto angemeldet ist. Der Tote scheint nicht nur Krankenkartenmissbrauch betrieben zu haben, sondern war wohl auch illegal als Bauarbeiter tätig. Seinen mutmaßlichen Chef Walter-Maria Bäucker (Philipp Moog) hat der neue Regensburger Staatsanwalt Stefan Walch (Steven Scharf) schon lange im Visier.

Doch die Kontrollen auf dem Bau sind zu kostenintensiv. Walch bittet Lucas um enge Zusammenarbeit, damit sie gemeinsam die illegalen Machenschaften der Bau-Mafia aufdecken können. Kurzerhand schleust Ellen Lucas ihren Kollegen Tom Brauer (Lasse Myhr) als V-Mann auf die Baustelle. Das gefällt ihrem Vorgesetzten Boris Noethen (Michael Roll, hier im Interview) überhaupt nicht. Er misstraut dem neuen Staatsanwalt.

Hintergrund

Seit 17 Jahren ermittelt Kommissarin Lucas nun bereits in Regensburg. Die Aufnahmen zu diesem 30. Fall fanden unter der Regie von Sabine Bernardi vom 9. Oktober 2018 bis zum 11. Dezember in München, Regensburg und Umgebung statt.

Danach drehte Tilo Prückner noch weitere Formate. Seinen letzten Kinoauftritt hatte er in "Ostwind - Der große Orkan" (Kinostart noch unbekannt).

Zu diesem Jubiläum sagt Wolfgang Feindt vom ZDF: "Es ist immer etwas Besonderes, wenn es eine Krimireihe schafft, über 30 Folgen relevant und aktuell zu bleiben. Das Markenzeichen der 'Kommissarin Lucas' war von Anbeginn, gesellschaftlich brisante Themenfelder ins Zentrum der Geschichten zu stellen. So auch in der neuesten Folge 'Die Unsichtbaren', in der die Kommissarin mit häuslicher Gewalt konfrontiert wird und das perfide Geschäft der Zwangsarbeit im Baugewerbe bloßstellt."

Steven Scharf, der hier als undurchsichtiger Staatsanwalt Walch zu sehen ist, spielte überwiegend in Krimis wie jüngst im "Tatort: Krieg im Kopf" oder, in seiner wiederkehrenden Rolle als Psychologe Niklas Wilke, im Magdeburger "Polizeiruf 110" mit. 2014 war er schon ein Mal am Set von "Kommissarin Lucas" dabei. Er übernahm die Rolle eines Mitarbeiters des Bundesnachrichtendienstes.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Vielleicht erscheint diese Episode etwas zu konstruiert und überzogen. Beispielsweise ist es ja ein großer Zufall, dass die Frau des Poliers mit der Frau des Staatanwaltes im Krankenhaus zusammenarbeitet. Trotzdem ist das Thema für einen Jubiläumsfall spannend gewählt und insbesondere von der Regie gut umgesetzt worden.

Die Ausbeutung auf dem Bau, die gewissenlosen Baulöwen und häusliche Gewalt - diese miteinander verwobenen Szenarien erzeugen viel Dramatik. Hier und da werden immer wieder ganz nebenbei die auf dem Bau menschenunwürdigen Zustände oder die Machenschaften von Machtmenschen gezeigt - das hat Kraft! Der Fall entwickelt sich ständig in neue Richtungen, so dass der Zuschauer dran bleibt. Wer aber letztendlich für den Tod verantwortlich ist, interessiert wohl weniger.