Exklusiv: Felicitas Woll spricht über "Kranke Geschäfte"

Marie Glaser (Felicitas Woll, M.) und Armin Glaser (Florian Stetter, r.) hoffen auf eine Besserung im Krankheitsverlauf ihrer Tochter Kati Glaser (Lena Urzendowsky, 2.v.r.) durch die Behandlung von Dr. Sigurd (Corinna Harfouch, 2.v.l.).
Marie Glaser (Felicitas Woll, M.) und Armin Glaser (Florian Stetter, r.) hoffen auf eine Besserung im Krankheitsverlauf ihrer Tochter Kati Glaser (Lena Urzendowsky, 2.v.r.) durch die Behandlung von Dr. Sigurd (Corinna Harfouch, 2.v.l.).
Foto: ZDF
Unglaublich aber wahr: Der Fernsehfilm "Kranke Geschäfte" mit Felicitas Woll beleuchtet illegale Pharmaversuche in der DDR.

Das TV-Drama "Kranke Geschäfte" (25. September bei Arte und vorab in der Arte Mediathek) von Urs Egger erzählt ein kaum beachtetes, besonders bitteres Kapital deutsch-deutscher Geschichte: Um an Devisen zu kommen, gestattete die DDR westdeutschen Pharmaunternehmen jahrzehntelang, ihre neu entwickelten Medikamente an ostdeutschen Klinikpatienten testen zu lassen. Felicitas Woll spielt Marie Glaser, die mit ihrem Mann Armin (Florian Stetter) und Tochter Katie (Lena Urzendowsky) in Karl-Marx-Stadt lebt.

Als bei Kati Multiple Sklerose diagnostiziert wird, hoffen sie auf eine neuartige, vielversprechende Behandlung unter Leitung von Frau Dr. Sigurd (GOKA-Preisträgerin Corinna Harfouch). Schon bald lassen Armin Glaser, ein Oberleutnant bei der Stasi, Ungereimtheiten bei der Behandlung misstrauisch werden. Kann es sein, dass BRD-Pharmakonzerne ihre noch nicht zugelassenen Medikamente an ostdeutschen Bürgern testen – also auch an Katie? Marie sieht in der Medikamentenstudie eine große Chance für Kati und will Armins verbissene Jagd nach der Wahrheit stoppen.

Felicitas Woll im Interview

GOLDENE KAMERA: Frau Woll, was ist der Reiz an der Rolle der Marie Glaser?

Felicitas Woll: Wenn ich ein Drehbuch lese, mich meine Figur gefühlsmäßig anspricht und ich mit ihr eine historische Situation beleuchten kann, und obendrein auch noch eine Botschaft mit dem Film vermittle, bin ich Feuer und Flamme. All das sind die Punkte, die mich bei „Kranke Geschäfte“ angesprochen haben. Außerdem war die Thematik , bei dem Westdeutsche Medikamente an Ostdeutschen ausprobiert haben, für mich komplett neu. Insofern hat mich das gereizt.

Wie haben Sie sich an die Rolle angenähert? Haben Sie die Autoren beispielsweise mal gefragt, inwiefern die kranken Geschäfte in der Ex-DDR für den Film dramaturgisch verdichtet wurden? Oder ob sie sich wirklich so ereignet haben?

Felicitas Woll: Genau. Vor Drehbeginn hatten wir viele Gespräche. Der Autor hat uns erzählt, dass die Geschichte über das erkrankte Mädchen, das aufgrund ihres Krankheitsbildes auf die westliche Medikamentenstudie angewiesen ist, fiktionalisiert wurde – aber, dass sich derartige Ereignisse auf jeden Fall so ähnlich zugetragen haben.

Wenn man öfter historische Filme dreht, hat man bereits viel über historische Schreckenstaten gelernt. Wie hat das Ihr Menschenbild beeinflusst?

Felicitas Woll: Einerseits ist der Mensch ein Wesen, das Frieden in sich selbst, aber auch auf der Welt sucht – doch andererseits produziert er Chaos und Zerstörung. Wir können uns nur positiv weiterentwickeln, wenn wir uns die Fehler der Vergangenheit anschauen und aus ihnen lernen.

Sie haben selbst eine Ausbildung zur Krankenschwester begonnen. Warum haben Sie sie nicht beendet?

Felicitas Woll: Ich hatte seit jeher eine große Spiellust in mir, aber mit 17 Jahren habe ich mich noch nicht getraut, allein nach Berlin zu gehen und eine Schauspielschule zu besuchen. Deshalb habe ich eine Ausbildung zur Krankenschwester angefangen - obwohl ich immer gespürt habe, dass noch irgendetwas anderes auf mich „wartet“. Und dann kam tatsächlich dieser Abend, als ich von meinem damaligen Agenten angesprochen und gefragt wurde, ob ich Schauspielerin werden will.

Wie stehen Sie Medikamenten und Impfungen gegenüber? Skeptisch oder dankbar?

Felicitas Woll: Teils, teils. Einerseits bin ich froh, dass es Tabletten gegen Schmerzen gibt – aber andererseits ticke ich eher so, dass ich erst einmal abwarte und auf meinen Körper höre und über Alternativen nachdenke. Und was die aktuelle Suche nach einem Impfstoff gegen Corona betrifft, warte ich lieber erst mal ab, wie sich das Ganze entwickelt, statt mich als Erste impfen zu lassen.

Nehmen Sie von jedem Film etwas „mit“ – beispielsweise eine gewisse „Energie“ oder etwas anderes Bleibendes?

Felicitas Woll: Klar, bei dieser Produktion beispielsweise die Aufklärung, dass in der Ex-DDR tatsächlich auf Kosten von Menschen experimentiert worden ist – sowie das Wissen, das so etwas heute leider immer noch geschieht.

Was sind Ihre nächsten spruchreifen Projekte?

Felicitas Woll: Erstens die Adaption der englisch-britisch-amerikanischen Miniserie „Liar“ (Deutscher Arbeitstitel: „Du sollst nicht lügen“), das ist eine vierteilige Miniserie für SAT.1. Und zweitens der zweite Teil von „Väter allein zuhause“.

Schlussfrage: Wie war das Feedback auf die globale Ausstrahlung von „Berlin, Berlin“ bei Netflix?

Felicitas Woll: . Ich merke über Instagram, dass mir Leute auf der ganzen Welt schreiben, worüber ich mich wahnsinnig freue. Die Ausstrahlung auf Netflix hat so viele Menschen unterhalten, . Ich mag an Netflix , dass die Erzählweise anders ist – und dass Netflixformate öfter Tabus brechen und man als Schauspieler dort die Möglichkeit bekommt, mutigere Rollen zu spielen.