Nico Santos: "Die Jubiläumsstaffel wird die krasseste"

Nico Santos ist Coach in der diesjährigen Jury von „The Voice of Germany".
Nico Santos ist Coach in der diesjährigen Jury von „The Voice of Germany".
Foto: dpa
In der zehnten Staffel „The Voice of Germany“ feiert Nico Santos seine Premiere als Coach - und will direkt ein Statement setzen.

Der 27-jährige Nico Santos ist das Kücken der diesjährigen Jury von „The Voice of Germany" (GOLDENE KAMERA 2012). Im Interview erklärt der vielseitige Singer-Songwriter, wie er sich bei den erfahrenen Kollegen den notwendigen Respekt erarbeitet hat und was aus seiner Sicht den Erfolg der Show ausmacht.

Dass er immer wieder auf seinen Vater, den "Melitta-Mann" Egon Wellenbrink angesprochen wird, nervt ihn nicht, aber für ihn ist klar: "Ich glaube, ich würde meinen Vater auch nicht kennen, wenn ich nicht sein Sohn wäre – das ist einfach eine Generationssache." Susanna Wellenbrink (45), seine Schwester aus der ersten Ehe seines Vaters, wurde übrigens 1993 mit dem GOLDENE KAMERA Nachwuchspreis ausgezeichnet.

Nico Santos im Interview

GOLDENE KAMERA: Wie hast du reagiert, als das Angebot kam, als Coach bei „The Voice“ dabei zu sein?

Nico Santos: Ich habe mich wirklich sehr, sehr gefreut. Vergangenes Jahr war ich noch Teil der Comeback-Stage, nun ins offizielle Coach-Team wechseln zu dürfen, war eine unglaubliche Ehre für mich.

Wie groß war Dein Lampenfieber vor dem Start der Aufzeichnungen?

Ohne Witz: Ich hatte gut einen Monat vor Beginn der Aufzeichnungen Schlafstörungen – zum ersten Mal in meinem Leben. Einfach, weil ich eine solche Grund-Nervosität in mir drin hatte. Die hat sich dann aber sehr schnell gelegt, bereits nach einem Tag habe ich nicht mehr viel davon gemerkt. Das lag auch daran, dass die anderen Coaches mich so unglaublich toll aufgenommen haben. Es gab bei den Blinds viele Momente, in denen ich wirklich Tränen gelacht habe, weil ich so coole Coaches an meiner Seite hatte.

Musstest Du Dir als Neuling gegenüber den anderen Coaches einen gewissen Respekt erarbeiten?

Ich glaube, einen gewissen Respekt musste ich mir tatsächlich erarbeiten. Ich bin ja mit gut zehn Jahren Abstand der Jüngste unter den Coaches - in der ersten Zeit habe ich schon gemerkt, dass da ordentlich in meine Richtung geschossen wurde. Wegen des Alters, aber auch wegen der Erfahrung, die die anderen mitbringen. Ich bin jetzt das erste Mal bei „The Voice“, Mark hat dagegen schon zehn Staffeln im ganzen „Voice“-Universum mitgemacht, Rea war schon bei der ersten Staffel dabei. Das war auf jeden Fall eine große Konkurrenz, gegen die ich erstmal ordentlich feuern musste.

Hattest Du den Eindruck, Dich wegen deines Alters auch gegenüber den Talenten beweisen zu müssen?

Ehrlich gesagt nein, weil ich ja schon lange als Songwriter für verschiedene namenhafte Künstler gearbeitet habe – und die meisten davon waren zehn bis zwanzig Jahre älter. Da tue ich mich nicht schwer, denn ich bin sehr interessiert an verschiedenen Stilrichtungen, habe in vielen Genres auch schon Lieder schreiben dürfen. Meine Eltern waren beide Musiker, meine Papa hat Jazz gemacht, meine Mama war Rock-Gitarristin bei einer Frauen-Grungeband. Diese Erfahrungen in der Kindheit haben mir sehr dabei geholfen, mich in verschiedene Musikstile einfühlen zu können.

Wie konntest Du in den Blinds die Talente von Dir überzeugen?

Ich glaube, vor allem meine musikalische Kompetenz hat dabei geholfen, viele in mein Team zu holen. Ich beherrsche viele Genres, bin sehr interessiert und habe bereits bei vielen Künstlern an Songs mitgeschrieben. Daher kenne ich auch die Abläufe hinter den Kulissen ganz gut.

Was muss ein Talent mitbringen, um dich zu begeistern?

Die Musikrichtungen sind mir total egal, ich muss einfach eine Stimme hören, die mich von Anfang an flasht. Das hat nichts damit zu tun, wie präzise jemand die Töne trifft, denn das kann man lernen - manchmal braucht es dafür einfach ein oder zwei Jahre länger. Wenn also bei einem Talent niemand buzzert, heißt das erstmal noch gar nichts. Was vor allem wichtig ist, ist wie sehr man dafür brennt und bereit ist, für seinen Traum zu kämpfen. Das ‚Ah und Oh’ ist nicht Talent, sondern Fleiß.

Hast du die Show bereits vor Deiner Teilnahme geschaut?

Ich weiß noch genau, das erste Finale von „The Voice of Germany“ habe ich auf Mallorca gesehen. Da hatten wir gerade einen Schüleraustausch mit einer schwedischen Klasse und haben es alle gemeinsam während einer Hausparty geschaut.

Was macht “The Voice“ seit 10 Staffeln so erfolgreich?

Ich glaube, der Erfolg liegt wirklich daran, dass in dieser Show niemand bloßgestellt wird. Es geht um Respekt, Musik und das Talent dahinter. Was aber auch sehr zur Beliebtheit der Show beigetragen hat, ist, dass Sänger wie Max Giesinger, Michael Schulte und Mathea mittlerweile große Erfolge feiern. Diese Künstler haben sich nach ihrer Teilnahme bei „The Voice“ eine riesige Karriere erarbeitet – und das hat dazu beigetragen, dass die Show mittlerweile eine solche Reputation hat.

Nico Santos backstage bei "The Voice of Germany" 2019.

Was ist Dein Ziel bei Deiner Premiere als Coach?

Ich glaube, wenn ich hier beim ersten mal gewinne, setze ich ein Statement – und das wäre mir schon wichtig. Alice Merton hat vergangenes Jahr auch bei ihrer Premiere gewonnen. Man sieht also, es ist möglich.

An welche Highlights bei den Aufzeichnungen, erinnerst Du Dich besonders gerne?

Für mich waren vor allem die Performances der Coaches, mit denen sie Talente von sich überzeugen wollten, riesige Highlights. Rea Garvey hat oft aus dem Stand Songs gefreestyled, um Talents zu gewinnen. Da hat man sofort seine unglaubliche Erfahrung gemerkt. Aber ich hatte auch einfach unfassbar Spaß daran, auf die Witze der anderen Coaches einzugehen. Rea und Samu hat meiner rechten Seite zu haben, war besonders toll – ein unschlagbares Duo, aus Witz Charme und musikalischer Kompetenz.

Deine Musikkarriere läuft derzeit extrem erfolgreich. Musst Du Dich manchmal noch kneifen, um all das zu realisieren?

Ich muss sagen, so ganz realisieren tue ich es noch nicht. Als ich heute Morgen im Studio durch einen Gang gegangen bin, dachte ich noch, dass es ein Traum ist, der da gerade in Erfüllung geht. Es freut mich einfach, dass die ganzen Jahre in denen ich dafür gekämpft habe, was gebracht haben. Und, dass meine Eltern auf Mallorca sehr, sehr gespannt zuschauen.

Dein Vater Egon Wellenbrink war in den 90er Jahren als „Mellitta-Mann“ bekannt. Nervt es Dich, immer wieder darauf angesprochen zu werden?

Gar nicht. Ich liebe es, dass noch heute so viele Leute meinen Vater kennen. Seit einem Vierteljahrhundert ist er nicht mehr medial unterwegs und hat trotzdem so einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das haben noch nicht so viele Menschen geschafft und es freut mich sehr. Ich glaube, ich würde meinen Vater auch nicht kennen, wenn ich nicht sein Sohn wäre – das ist einfach eine Generationssache.

Wie intensiv planst Du, den Talenten während der Show zur Seite zu stehen?

Ich habe mir vorgenommen, dass ich immer für die Talents zur Verfügung stehe werde. Mit den Talenten, die ich vergangenes Jahr auf der Comeback-Stage betreut habe, hält der Kontakt bis heute. Zwei haben letztens sogar noch ein Cover von Lenas und meinem Song „Better“ gemacht, dass ich hochgeladen habe. Man merkt einfach, dass sich da eine Kollegenfreundschaft entwickelt – und das ist sehr wichtig. Einer meiner liebsten Nebenjobs ist es, Ratgeber für junge Künstler zu sein.

Was würdest du einem jungen Menschen raten, der davon träumt, Musiker zu werden?

Es gibt natürlich unendlich viele Wege, um in der Musik Fuß zu fassen. Ich habe mich einfach ganz doll darauf konzentriert, Songs zu schreiben, habe Musiker studiert, die ich liebe und geschaut, warum die so gut geworden sind, in dem, was sie machen. Mein Ziel war es auch, mich in allen Genres wohl zu fühlen. Einfach sehr vielfältig sollte man sein.

Was macht die zehnte Staffel von „The Voice“ so besonders?

Ich glaube, die zehnte Staffel „The Voice of Gemany“, die Jubiläumsstaffel, wird die krasseste, weil es geballte Starpower unter den Coaches ist und die Talents bis jetzt die stärksten der letzten Jahre sind. Wir haben Talente dabei, die bereits Erfahrungen mitbringen, aber auch neue Künstler. Einschalten lohnt sich also auf jeden Fall.