"Perfektion ist nicht das was uns beeindruckt"

Yvonne Catterfeld und Stefanie Kloß treten als Duo in der Jury an.
Yvonne Catterfeld und Stefanie Kloß treten als Duo in der Jury an.
Foto: ProSieben
Yvonne Catterfeld und Stefanie Kloß suchen in der Jubiläumsstaffel als Coach-Team nach "The Voice of Germany".

Das gab’s noch nie bei „The Voice of Germany“: In der 10. Staffel der erfolgreichen Gesangsshow (2012 mit der GOLDENEN KAMERA ausgezeichnet) gibt es erstmals zwei Zweier-Teams: Rea Garvey und Samu Haber wie auch Yvonne Catterfeld und Stefanie Kloß von Silbermond bilden ein Duo. „Aus Catterfeld ist ein Catterkloß geworden“, scherzt Mark Forster, der sich mit Yvonne Catterfeld gern mal einen Schlagabtausch in der Jury liefert. Bei GOLDENE KAMERA erklären die beiden Coaches, warum sie zum Jubiläum in die Musikshow zurückgekehrt sind. (ab Do, 8. Oktober, 20.15 Uhr ProSieben)

GOLDENE KAMERA: Was glaubt Ihr, macht „The Voice“ in Deutschland so erfolgreich?

Yvonne: Zum einen natürlich die Qualität der Talents, zum anderen, dass die Show unterhaltsam ist und emotionale Geschichten erzählt werden. Ich glaube, viele Zuschauer connecten sich beim Anblick der Hintergrundgeschichten mit den Teilnehmern, weil sie sich darin wiedererkennen. Ich weiß noch, ich hab‘ früher auf der Couch gesessen und mich darüber geärgert, wenn gute Leute rausgeflogen sind. Deshalb ist es jetzt natürlich großartig, selbst Coach zu sein und solche Entscheidungen treffen zu dürfen. Allerdings ist es tatsächlich nicht so einfach, da wir ja gleichwertige Battlepartner zusammenpacken müssen und leider auch gute Leute gehen müssen. Es macht tatsächlich einen Unterschied, wenn man die Talents nicht sieht. Wenn ich mir die Show im Nachhinein angucke, denke ich oft beim ein oder anderen, dass ich ihn mitgenommen hätte, wenn ich die Story dazu gekannt hätte. Man kann eine Persönlichkeit anhand der Stimme spüren, aber es ist doch etwas anderes, sie kennenzulernen, was wir ja dann erst in meiner Lieblingsphase, den Battles, tun.

Stefanie Kloß: Die Sendung lebt von der Professionalität des gesamten Teams. Es ist eine ehrliche Sendung, es ist kein Vorführen von Talenten, wie es vielleicht in anderen Formaten der Fall ist. Es wird wirklich auf den Künstler geguckt, niemand muss zum Beispiel etwas Singen, das er nicht Singen möchte. Yvonne und ich arbeiten ja auch schon ein paar Jahre in der Branche und würden das alles hier nicht machen, wenn es diese musikalischen und kreativen Freiheiten nicht gäbe. Ich glaube, davon lebt das Format auch. „The Voice of Germany“ steht für eine wahnsinnig gute Musiksendung. Es ist keine Castingshow, sondern eine Musikshow, in der wir Coaches gerade auch in der Arbeit mit den Talents wahnsinnig frei sein dürfen. Wir können schauen, welche Version welches Songs passt zu dem Talent, möchte derjenige vielleicht auch sein eigenes Instrument spielen. Es geht einfach um den Spaß an der der Musik.

Wie lange betreut Ihr die Talente im Nachgang?

Yvonne Catterfeld: Bei Instagram hat man natürlich automatisch Kontakt, sieht was die Leute machen. Immer, wenn ich bei „The Voice“ war, habe ich die Leute dort gesucht, um einen Eindruck von ihnen und dem was sie noch können zu bekommen. Ich verfolge, wie es weitergeht und sie schicken mir Songs, fragen um Rat – und neulich habe ich mit einem ehemaligen Talent telefoniert, das nicht wusste, welche Plattenfirma es jetzt wählen soll. Was ich aber jedes Mal erstaunlich finde ist, wie viele dann tatsächlich den Tipp wahrgenommen haben, Songs zu schreiben. Aus meinen Teams haben wirklich fast alle Talents Singles veröffentlicht – eine sogar extrem erfolgreich. Mathea ist in Österreich und inzwischen auch in Deutschland ein Superstar. Das ist alles sehr schön zu beobachten.

Was war ausschlaggebend für Eure Rückkehr?

Stefanie Kloß: Für mich war diese Möglichkeit das Schöne im Traurigen. Eigentlich hätte ich mit meiner Band den ganzen Sommer über Konzerte gespielt, wir hatten eine große Open-Air-Tour geplant, auf die wir uns sehr gefreut haben. Corona war in diesem Fall das Schlimmste, was passieren konnte. Aber dadurch hatte ich eben Zeit und konnte, als der Anruf von „The Voice of Germany“ kam, auch sofort zusagen. Sonst hätte ich es zeitlich auch einfach nicht machen können. Jetzt habe ich mich aber sehr gefreut, auch, weil ich das Konzept für die Jubiläumsstaffel super spannend fand: Mehr Coaches, mehr Talente – und dann natürlich Yvonne als Partnerin. Wir kannten uns vorher nur flüchtig, haben aber beide blind zugesagt. Ich glaube, da war so ein Band, das uns sofort verbunden hat.

Wie funktioniert bei Euch die Arbeit im Duo?

Yvonne Catterfeld: Es ist ja ein besonderer Doppelstuhl, so einen gab es in dieser Form weltweit noch nie. Wir sind ja nicht wie „BossHoss“ oder die „Fantas“ in irgendeiner Weise verbunden. Wenn du gemeinsam Musik machst, , weißt du wie der andere tickt, welche Musik er mag. Wir dagegen kannten uns nicht und mussten uns erstmal aufeinander einstellen. Aber wir haben von Anfang an erkannt, wir sind eine neue verdammt gute Konstellation, sitzen da zwar nicht als Band, sondern als Team - dennoch als zwei individuelle Frauen, die ihre eigene Karriere und unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Es ist okay wenn jeder seinen eigenen Geschmack hat und mal auf den Buzzer haut ohne zu fragen. Natürlich stimmen wir uns ab, aber es gibt so Momente, da kann man dem Impuls nicht widerstehen und sollte diesem folgen. Aber es macht auch etwas mit mir, wenn ich bei Stefanie sehe, dass sie mal skeptisch ist. Und das ist auch gut so. Zusammen sind wir vielleicht kritischer.

Stefanie Kloß: Wir haben beide ein gewisses Schema an Musik, auf das wir total anspringen - die andere aber gar nicht. Yvonne steht total auf Männerstimmen, die eine ganz tiefe, bassige Stimme haben. Da siehst du sofort, wie es in ihren Augen zu glänzen beginnt. Ich bin dann immer die Vernünftige an ihrer Seite, die sagt: ‚Yvonne wir haben nur 18 Plätze und haben schon jetzt fast nur Männer mit so einer Stimme. Wir müssen jetzt mal auf was anderes schauen.‘ Ich bin dagegen jemand, der es toll findet, wenn Talents abgefahrene Titel wie „Du hast den Farbfilm vergessen“ singen. Ich glaube, wir beide waren froh, wenn wir schwierige Momente gemeinsam besprechen konnten. Es hat sich sehr schnell so angefühlt, als ob wir immer zusammen dort gesessen haben.

Yvonne Catterfeld: Naja, der eigene Musikgeschmack spielt natürlich auch eine Rolle, aber mein Geschmack und Wissen ist breit gefächert und mit Steff gar nicht so unähnlich. Bei einer Sache waren wir uns schnell einig: Perfektion ist nicht das was uns beeindruckt, sondern wir wollen was Prägnantes hören, eine charakteristische Stimme und die Persönlichkeit dahinter.

Yvonne war auch bei „The Voice Senior“ als Coach dabei, Stefanie bei „The Voice Kids“. Habt ihr das Gefühl, dass die Ansprüche in den unterschiedlichen Altersklassen andere sind?

Stefanie Kloß: Was ich bei den Kids total erfrischend fand, war, dass die nicht mit diesem Konkurrenzdenken hierher kommen. Die haben nicht das Gefühl, irgendwas zu verlieren. Es geht mehr darum, Spaß zu haben und neue Freunde zu finden. Bei den Kindern haben sich alle immer gegenseitig den Erfolg gegönnt. Das vermisst man bei den Erwachsenen manchmal, weil natürlich auch Leute dabei sind, die bereits eine musikalische Geschichte haben, vielleicht schon lange Sänger sind und hier jetzt größere Aufmerksamkeit erlangen wollen oder Stabilität im Beruf. Oder eben jüngere Leute, die denken, dass das hier das Sprungbrett sein kann.

Yvonne: Ich habe meine Teams immer als Team wahrgenommen und ich glaube, das hängt mit den Menschen zusammen, die man sich intuitiv aussucht - ich bin davon überzeugt, dass man den Charakter schon in einer Stimme spüren kann. Und bisher war ich immer begeistert vom Zusammenhalt und der Empathie in jedem meiner Teams, ob jung oder alt. Das war total erstaunlich und schön zu erleben, dass aus Konkurrenten Freunde werden.

Ihr seid bereits lange Teil der deutschen Musikwelt. Würdet ihr rückblickend sagen, es ist durch die vielen Castingshows heute leichter, Sänger zu werden?

Yvonne Catterfeld: Ich weiß noch, dass für mich damals eine Musikkarriere unerreichbar schien. Bei mir waren es tatsächlich viele Zufälle, die zusammengekommen sind. Ich bin zum Beispiel genau an der Musikhochschule angenommen worden, an der dann später ein Wettbewerb stattfand, der mir Türen geöffnet hat. Mir erschien es damals wie ein unerreichbarer Traum Sängerin zu werden - heute wirkt dagegen alles möglich. Aber es gibt natürlich durch die vielen Castingshows und auch durch die sozialen Netzwerke viel mehr Konkurrenz. Jeder kann sich zeigen, jeder kann sich präsentieren. Man muss schon richtig gut sein, um sich durchzusetzen - oder ein gutes Konzept haben, das sich von anderen abhebt.

Wie wirken sich die Corona-Maßnahmen auf die Arbeit an „The Voice“ aus?

Stefanie Kloß: Es kann sein, dass hin und wieder der Eindruck entsteht, dass wir uns selbst in den Vordergrund spielen wollen, wenn nur wir statt des Talents singen. Aber das ist den gesetzlichen Vorgaben während der Aufzeichnungen geschuldet. Dann mussten wir natürlich den Abstand einhalten, durften die Talents nicht umarmen. Das war vor allem bei Talents, die nicht gebuzzert wurden, sehr traurig. Im Großen und Ganzen ist man aber einfach dankbar, dass wir die Sendung machen dürfen – und das auch Publikum im Studio sein darf.

Yvonne Catterfeld: Wir haben einige reale Zuschauer im Studio, der Rest wurde mit Pappfiguren aufgefüllt, unser Papplikum. Sie sehen täuschend echt aus, manchmal hat man gar nicht gesehen, ob sie sich bewegen oder nicht. Der Stimmung hat das auch keinen Abbruch getan. Die Leute, die da waren, haben ordentlich eingeheizt.