Mark Forster: "The Voice“ ist einfach die beste Musikshow, die es gibt"

Mark Forster ist zum vierten Mal als Coach dabei.
Mark Forster ist zum vierten Mal als Coach dabei.
Foto: ProSieben
Coach Mark Forster erklärt zum 10. Jubiläum das Erfolgsrezept von „The Voice of Germany".

Mark Forster hat quasi einen Stammplatz als Coach bei "The Voice of Germany" und nimmt in der Jubiläumsstaffel zum vierten Mal auf einem der roten Stühle Platz. Im Interview mit GOLDENE KAMERA erklärt, warum die Show noch immer so erfolgreich ist.

GOLDENE KAMERA: Wie schaut ein normaler Arbeitstag am Set von „The Voice“ aus?

Mark Forster: Für uns Musiker fühlt sich die Arbeit bei „The Voice“ an wie ein normaler Bürojob. Man kommt hier an und weiß sofort, wo die Kaffeemaschine steht. Die Mädels sind ein bisschen früher da, für SchminkiSchminki, wir kommen etwas später, um in die Maske zu gehen. Danach geht‘s dann schon langsam los mit den Blinds. Wir hören an einem Tag um die 30 Talente singen – das ist schon eine Menge Holz.

Hat der Letzte dann überhaupt noch so gute Chancen wie der Erste, weil man vielleicht etwas müde ist und nicht mehr so ganz aufmerksam?

Ich habe schon öfter drüber nachgedacht, ob die Position, wann man dran ist mit dem Singen, per se gut oder schlecht ist. Ich glaube, das kann man grundsätzlich nicht sagen. Wir sind ja keine Computer, die errechnen, ob jemand alle Töne richtig gesungen hat, und falls ja ist derjenige weiter. Musik ist einfach immer eine Geschmackssache, eine Stimmungssache oder einfach ein Gefühl. Man kennt das ja von sich selbst, manchmal, wenn man müde ist, ist man sogar offener, für Gefühle oder eine gewisse Art von Musik.

Mit welcher Art von Musik können die Talents Dich am ehesten überzeugen?

Es muss für mich schon sehr eindeutig sein: Also entweder eindeutig gefühlvoll, eindeutig künstlerisch oder eindeutig doll – also laut und mit Partystimmung. Ich glaube, wenn man sich hier bei „The Voice“ auf die Bühne stellt, sollte man nicht versuchen, eine Eierlegende Wollmilchsau zu sein, sondern sich für eine Sache entscheiden und die dann richtig intensiv machen.

An welche Highlights während der Aufzeichnung, erinnerst Du Dich besonders gerne?

Eins der Highlights ist in diesem Jahr definitiv Yvonne Catterfeld. Sie ist ein ums andere Mal auf die Bühne gegangen, um mit ihrem Gesang um die Talents zu kämpfen – und hat das großartig gemacht.

Wie sehr haben die Corona-Maßnahmen, die Arbeit an den Blinds beeinflusst?

Erstmal ist es ein großes Glück, dass wir so eine große, aufwendige musikalische Show überhaupt machen dürfen. Natürlich gibt es Auflagen, trotzdem finde ich es total wichtig, dass man trotzdem fürs Fernsehen Shows produziert, die mit den schönen Dingen des Lebens zu tun haben. Man merkt es natürlich, wenn man ins Studio kommt: Das Publikum besteht zum Großteil aus Pappe. Da hatte ich ein bisschen Angst vorher, weil „The Voice“ natürlich von Zuschauerreaktionen lebt - aber es funktioniert tatsächlich erstaunlich gut. Die geringe Anzahl an Menschen im Publikum hat trotzdem ordentlich für Stimmung gesorgt. Man darf die Talents nicht umarmen, darf sich nicht abklatschen, man muss immer eine Nico-Santos-Länge-Abstand halten zu anderen Personen. Das ist natürlich einschränkend, aber wir wissen alle, wofür wir das tun.

Nico Santos ist der Neuling unter den Coaches. Genießt er noch ein wenig Welpenschutz?

Nico ist ja kein gänzlich neues Gesicht bei „The Voice“, er war letztes Jahr schon Coach der Comeback-Stage und hat sich jetzt ein bisschen hochgedient. So wie ich mich damals über „The Voice Kids“ auch hochgearbeitet habe – ich spüre da also so eine gewisse Verbundenheit zu Nico. Es war anfangs, glaube ich, schon so, dass er ein wenig Welpenschutz hatte, aber dann haben wir relativ schnell festgestellt, dass der nicht notwendig ist. Nico ist ein unfassbar talentierter Musiker, kennt gefühlt jeden Songtext dieser Welt auswendig, ist ein wahnsinnig toller Sänger und einfach ein guter Typ – und es sind auch ziemlich viele Talente ins Team Nico gegangen, wie ich leider zugeben muss.

Nach welchen Kriterien stellst Du Dein Team zusammen?

Es hängt alles davon ab, an welchem Punkt der Show man gerade ist. Grundsätzlich versuche ich aber immer, mich von so strategischen Gedanken frei zu machen – wenn ich ein Talent gut finde, haue ich auf den Buzzer. Ein Gegenüber in den Battles findet sich dann eigentlich immer.

Bei den Blinds sind gegen Ende der Aufzeichnung nur noch wenige Plätze frei. Ist das für die Talente, die dann auftreten, nicht unfair?

Das lässt sich ganz schlecht verallgemeinern. Es gibt Jahre, da sind wir ganz streng und haben am Ende nach hinten raus noch viele Plätze frei - dann wird hinten raus auch öfter mal ein Auge zugedrückt. Es kann gut oder schlecht sein, am Anfang oder Ende dran zu sein. Letztlich pendelt es sich dann doch immer noch so aus, dass es irgendwie fair ist. Und ich glaube, die Talente, die alle vom Hocker hauen, bei denen selbst das Publikum auf den Sitzen steht – für die gibt es immer einen Platz.

Du bist zum zehnten Mal bei einer „The Voice“-Show dabei. Ist es mittlerweile Routine oder hast Du noch Lampenfieber?

Ich bin kein sonderlich nervöser Typ, habe auch selten Angst vor einem Konzert. Ich würde lügen, wenn ich jetzt sage, dass mir vor einer Blind Audition die Knie schlottern. Aber ich habe schon so zwei Wochen vorher eine gewisse innere Anspannung und Lust darauf, dass es losgeht. Ich spiele dieses Spiel super gerne und habe es deshalb auch schon so häufig gemacht. Es ist eine große Ehre, hier sitzen zu dürfen, denn „The Voice“ ist einfach die beste Musikshow, die es gibt – die talentiertesten Sänger bewerben sich hier. Einer von denen zu sein, die da buzzern, ist eine große Ehre - und da bin ich stolz drauf.

Was macht den Erfolg von „The Voice“ aus?

Ich glaube, es liegt daran, dass hier die Musik im Vordergrund steht. Jedes Talent wird begleitet von einer Liveband, da ist niemand der die CDs reinlegt und dann laufen die Playbacks, sondern das sind coole Versionen von einer der besten Livebands, die es in Deutschland gibt. Dazu kommt: Jeder, der hier bei den Blind Auditions auftritt, kann singen. Es geht nicht darum, sich über jemanden lustig zu machen, sondern die Qualität ist einfach sehr hoch. Und die Coaches, die da auf dem roten Stuhl sitzen, sitzen schon alle zurecht da. Ich glaube, dass diese grundlegende Qualität vorhanden ist, hält das Format jung. Und außerdem ist das auch einfach lustig mit den Blind Auditions - dass man das Talent nicht sieht, ist schon eine coole Idee. Es geht nicht um die Optik, nicht um die Performance, sondern einfach nur um die Stimme. Die Idee ist so gut ist, dass sie einfach auch nach zehn Jahren immer noch frisch ist.

Wie intensiv ist der Kontakt zu den Talents während der Show?

Von Runde zu Runde wird der Kontakt zu ihnen intensiver. Es gibt diesen kleinen Probenraum, den man auch im Fernsehen sieht, und da werden die Auftritte dann erarbeitet. Gemeinsam mit meinem Sidecoach mache ich mir dort Gedanken, welche Paarung gut ist, welcher Song passt. Je weniger Talente im Team sind, je näher man dem Finale kommt, desto intensiver wird die Arbeit mit dem Talent. Wenn am Ende dann nur noch zwei übrig sind, ist es das „Rundum-Sorglos-Paket“. Auch jemand wie Michael Schulte, der jetzt selbst die Comeback-Stage macht, hat das hier alles durchgemacht und nur positives zu berichten. Ich glaube schon, dass man als Teilnehmer eine Menge mitnimmt.

Wie viel Kontakt pflegst du im Nachhinein zu den Talents?

Bei vielen beobachte ich nur im Stillen über Instagram, was aus ihnen wird. Mit einigen wenigen habe ich dagegen auch noch intensiveren Kontakt. Gerade von „The Voice Kids“ schicken mir dann auch einige im Nachhinein mal ihre Sachen. Es gibt einige, die ich mit dreizehn bei „The Voice Kids kennen gelernt habe, die jetzt 18,19,20 sind – und total coole Musiker.

Bei der letzten Teilnahme von Yvonne Catterfeld waren Eure Streitereien legendär. Dürfen sich die Fans erneut darauf freuen?

Natürlich haben wir uns auch dieses Jahr wieder gestritten und gezankt. Catterfeld ist ja jetzt nicht mehr alleine, sondern aus ihr ist ein Catterkloß geworden. Das Klößchen ist wahrscheinlich genau das verbindende Elemet, was Catterfeld und mir immer gefehlt hat.