Medizinischer Glaubenskrieg im "Tatort: Krank"

Rasanter Einstieg, raffinierte Zeitsprünge, reißerische Fragen und ratlose Kommissare: Der "Tatort: Krank" (Sonntag, 25. Oktober, 20.15 Uhr im Ersten) ist rundum gelungen.

Schulmedizin oder alternative Heilmethoden? Beides scheint reizvoll für verschiedene Menschen zu sein. Doch was passiert, wenn sich jemand zu sehr auf die sanften Möglichkeiten verlässt? In diesem Fall muss ein fünfjähriges Mädchen sterben.

Darum geht's im "Tatort: Krank"

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) liegt gefesselt am Boden. Ein Mann beugt sich über ihn und sagt: "Es ist gleich vorbei". Er drückt dem Kommissar eine Pistole in die Hand und erschießt damit eine Frau.

Zeitsprung: Bibi Fellner (Adele Neuhauser) untersucht einen Tatort. Ein Mann wurde absichtlich vor den Türen eines Gerichtsgebäudes überfahren. Das Opfer Peter Simon (Christian Schiesser) hatte gerade erst seinen Freispruch erhalten. Der Humangenetiker war angeklagt worden, seine fünfjährige Tochter so sehr vernachlässigt zu haben, dass es ihren Tod zur Folge hatte.

Bibi ist ratlos: Wo steckt ihr Kollege Moritz? Sie ortet ihn über sein Handy und findet ihn im Krankenhaus. Der Oberstleutnant leidet massiv an Rückenschmerzen, doch aufgrund seiner Klaustrophobie traut er sich nicht in die MRT-Röhre. Die Suche nach dem Mörder ist für ihn die perfekte Ablenkung.

Die beiden Ermittler versuchen die Ex-Frau des Opfers zu finden. Doch Maria (Sabine Timoteo) ist untergetaucht. Sie hatte das Sorgerecht für ihre Tochter verloren und gehört in Kolumbien einer Terrorgruppe an. Nachdem ihre Tochter gestorben ist, hat sie durchaus ein Motiv und Gewaltpotential.

Doch auch im beruflichen Umfeld von Peter Simon gibt es Verdächtige. Der Alternativmediziner war eine Ikone in seinem Bereich. Mit Globuli und Co verdiente er sich eine goldene Nase. Spielen wirtschaftliche Faktoren eine Rolle? Fellner und Neuhauser geraten zwischen die Fronten der Schulmediziner und den Anhängern der alternativen Heilmethoden.

Hintergrund

Harald Krassnitzer im Interview

ARD: Wie sehen Sie den großen Schwerpunkt in diesem "Tatort", den Glaubenskrieg zwischen Schulmedizin und alternativen Methoden?

Harald Krassnitzer: Ja, es ist schon ein echter Glaubenskrieg und das wird in unserer Geschichte gut dargestellt. Dass es auch in diesem Segment Menschen gibt, die das ausnutzen und mit der Gesundheit anderer spielen. Ich selbst hatte in meinem Bekanntenkreis jemanden, der seine Krebserkrankung nur mit alternativen Mitteln heilen wollte und dabei an viele Scharlatane geraten ist. Und so wahrscheinlich lange vor der Zeit gestorben ist, die ihm die Schulmedizin noch hätte ermöglichen können. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass es wirkungsvolle alternative Instrumente gibt. Ich kenne eine Reihe von Krankenhäusern, die Akupunktur im Schmerzbereich einsetzen. Aber man muss wissen, wenn man beispielsweise Krebs hat, wird nicht nur irgendeine Essenz helfen. Sondern da wird man medikamentös oder vielleicht auch operativeingreifen müssen. Es wäre sehr fahrlässig, das auszuschließen.

Haben Sie Erfahrungen mit alternativen Methoden?

Ich nehme alternative Methoden in Anspruch, weil ich gute Erfahrungen gemacht habe mit TCM, der Traditionellen Chinesischen Medizin. Doch ich koppele das immer mit einer Rückfrage bei einem klassischen Mediziner. Ein Beispiel ist die Grippe. Wenn sie im Umlauf ist, hole ich mir in der Regel Vorsorge-Produkte aus der chinesischen Medizin, die zumindest den Körper etwas stärken. Sie haben gerade bei Erkältungen und Fieber bei mir gut angeschlagen und mir über die Runden geholfen. In diesem Falle sind es Kräuter-Granulate, die als Teeeingenommen werden.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Ein rasanter Einstieg, dann ein ängstlicher Ermittler im Krankenhaus - die Schauplatzwechsel und Wendungen sind hier mehr als gelungen. Endlich gibt es mal wieder einen "Tatort", der den Zuschauer herausfordert. Zwischendurch auf Toilette zu gehen, ist hier keine gute Idee. Dann würde man auch die witzigen verbalen Schlagabtausche zwischen den Ermittlern und strittigen Meinungen der Mediziner (z.B.: "Gefühlsarmut ist trainierbar") verpassen.

Spannung, Humor, ernste, moralische Themen dann wieder Nervenkitzel - hier ist alles sehr gut miteinander verschachtelt. Besonders die raffinierten Zeitsprünge, das Tempo und die Schnitte geben diesem Fall ein Alleinstellungsmerkmal.