"Exit": Dystopie über digitales ewiges Leben

Traum, Alptraum oder Utopie? Im Film "Exit" verschwimmen für Friedrich Mücke und Laura de Boer Realität und digitale Zukunftsphantasien.

Der Film-Mittwoch im Ersten zeigt mit dem Thriller "Exit" (28. Oktober, 20.15 Uhr, bereits in der ARD-Mediathek) eine kluge Dystopie, wie KI in ferner Zukunft unser Leben beeinflussen könnte.

Darum geht's in "Exit"

Tokio 2047: Die vier Freunde Linus (Friedrich Mücke), Luca (Laura de Boer), Bahl (Aram Tafreshian) und Malik (Jan Krauter) wollen ihr Start-Up "Infinitalk" an den Unternehmer Linden Li (David K.S. Tse) verkaufen. Nach diesem Deal hätten sie für immer finanziell ausgesorgt. Schließlich bietet Li drei Milliarden für eine künstliche Intelligenz, die den Menschen komplett simuliert: Aussehen, Stimme, Sprache, Humor. Kurz vor Vertragsunterzeichnung hat Luca, Linus' Ex-Verlobte, Zweifel. Dann ist sie verschwunden. Linus macht sich auf die Suche. Zwischen der realer Welt und der Simulation weiß er bald nicht mehr, wem er vertrauen kann.

Hintergrund

Regisseur Sebastian Marka inszenierte schon den "Tatort: KI".

Friedrich Mücke im Interview:

ARD: Im Near-Future-Thriller "Exit" spielen Sie Linus. Wie würden Sie Linus charakterisieren? Was zeichnet ihn aus?

Friedrich Mücke: Linus ist begabt, intelligent und ehrgeizig. Er möchte etwas bewegen, gerade im technischen Fortschritt eine führende Position einnehmen. Die Welt, so wie wir sie kennen, möchte er verändern und die Frage nach Leben und Tod neu stellen. Er ist sensibel, einfühlsam und nicht ohne Empathie. Das ist allerdings nicht immer von Vorteil in einer Welt, in der zwischen Intuition und technischem Beweis alles möglich scheint.

Luca ist Linus‘ Geschäftspartnerin und seine Ex-Ver-lobte. Wie würden Sie die Beziehung von Linus und Luca beschreiben?

Die Beziehung beider zueinander zeichnet sich durch die Jahre aus, die sie bereits dauert. Von Vertrauen geprägt, scheint sie die einzig wahre zu sein. Luca kennt Linus seit der Schule und beide sind auf Augenhöhe miteinander verbunden. Beide spüren zum Beispiel sehr stark Verunsicherungen bei dem jeweils anderen. Auch das wird zum Motor dieser Geschichte.

In "Exit" geht es um Hologrammtechnik, die nicht nur Aussehen, Sprache und Stimme eines Menschen digitalisiert, sondern auch dessen Wesen, Geist und Humor. Welche Möglichkeiten würde solch eine Technik eröffnen und welche Gefahren birgt sie gleichzeitig dabei?

Ich behaupte, dass alles was uns wegbringt vom Natürlichen, vom Urtümlichen des Menschen, so wie wir es kennen oder kannten – also alles was uns vom rein menschlichen zu einer Mischform oder darüber hinaus zu einer neuen Spezies werden lässt, bedeutet den Untergang des Menschen als soziales Wesen. Die Vermischung von Homo Sapiens und Technik ist gewissermaßen gleichzeitig sein eigenes eigentliches Verschwinden.

Für mich spielt es keine so große Rolle welche Vor-oder Nachteile das hat. Es ist vielleicht sogar zutiefst menschlich. Nur wir, die wir 2000 Jahre Kulturgeschichte in uns tragen, wovon vielleicht 30 Jahre zur digitalen Revolution zu zählen sind, können noch gar nicht ermessen was da noch kommen wird.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

In dem klugen Thriller fließt Blut, aber nur um zu sehen, wer echt und wer eine digitale Kopie ist. Thematisch brisant, visuell ansprechend und originell umgesetzt ist dies ein Film, an dem man unbedingt dranbleiben sollte.