Im "Tatort: Limbus" wird Boerne ersetzt

Boerne landet in der Vorhölle. Während er zwischen Leben und Tod schwebt, übernimmt ein dubioser Arzt seinen Platz in der Rechtsmedizin.

Die Zuschauer sind es gewöhnt, dass der "Tatort" aus Münster oft mehr auf Klamauk, als auf Spannung setzt. Dieser Klamauk erfreut sich großer Beliebtheit und verleiht der Sonntagabendunterhalung auch einen neuen Anstrich. Doch diese Woche hat sich der "Tatort: Limbus" (Sonntag, 8. November, 20.15 Uhr im Ersten) ans Groteske selbst übertroffen und ist dabei viel ernster als sonst.

Darum geht's im "Tatort: Limbus"

Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) will drei Monate unbezahlten Urlaub in Holland nehmen, um ein Buch über den Tod zu schreiben. Auf dem Weg dorthin erleidet er einen schweren Verkehrsunfall. Während die Ärzte auf der Intensivstation um sein Leben kämpfen, landet Boerne in einer Art Zwischenreich. Ist das die Hölle?

Ein Mann, der dem Kommissaren Frank Thiel (Axel Prahl) bis aufs Haar gleicht, will vom Teufel nichts wissen und bezeichnet sich selbst als Geschäftsführer. Er prophezeit Boerne, dass sein Körper nicht überleben wird und er deshalb bis zu seinem endgültigen Ableben bei ihm bleiben muss.

Derweil ist der echte Kommissar Thiel am Unfallsort eingetroffen. Er wundert sich, warum Boerne mit viel zu hoher Geschwindigkeit ohne Fremdeinwirkung von der Fahrbahn abgekommen sein soll. Bei seinen Nachforschungen stößt Thiel auf weitere Ungereimtheiten. Inzwischen trifft die Vertretung von Prof. Boerne am Institut ein. Dr. Jens Jacoby (Hans Löw) benimmt sich merkwürdig. Was verheimlicht der Rechtsmediziner?

Hintergrund

Es gibt ein Wiedersehen mit der ehemaligen Assistentin von Thiel Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter).

Nach 17 Jahren hat Friederike Kempter den "Tatort" verlassen. Die 41-Jährige ist vor rund zwei Jahren Mutter geworden und will sich auch beruflich neu ausprobieren.

In der Folge 1115, welche am 1. Januar im Fernsehen lief, wurde sie in ihrer Rolle als Nadeshda ermordet. Der Improvisations-"Tatort: Das Team" war kein Münsteraner Fall, sondern zeigte u.a. das Dortmunder Team. Nun darf Nadeshda in die Abteilung Römisch 1 ziehen, was scheinbar den Himmel darstellen soll. Was für ein schöner Abschied nach dem blutigen Ausscheiden...

Hans Löw, der den dubiosen neuen Mediziner verkörpert, war dieses Jahr schon im Münchner "Tatort: Lass den Mond am Himmel stehn" als Vater des Täters zu sehen.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Der ein oder andere Zuschauer dürfte sich fragen, was dieser "Tatort" mit einem Krimi zu tun hat. Dieser Fall ist merkwürdig, viel ernster als für gewöhnlich und verlangt vom Zuschauer, dass er sich auf das Übersinnliche einlässt. Wer keine Probleme mit der versponnenen Geschichte hat, erlebt trotz alledem eine gewisse Spannung bei der Überführung des Täters.

Das Besondere aber ist es, dass die Münsteraner es geschafft haben, den Charakteren noch mal eine neue Note zu verleihen. Boerne wirkt viel menschlicher als je zuvor. Eine solche Nahtoderfahrung könnte den überheblichen Rechtsmediziner auch in Zukunft wieder erden.

Wir dürfen gespannt sein, wie es weitergeht. Wem dieser Fall zu sonderbar ist, der darf sich bereits am 13. Dezember mit dem "Tatort: Es lebe der König" wieder über die gewohnte Krimikost aus Münster freuen.