Udo Wachtveitl im Interview zum Jubiläums-„Tatort“

Udo Udo Wachtveitl im "Tatort: In der Familie"
Udo Udo Wachtveitl im "Tatort: In der Familie"
Foto: WDR
Pünktlich zum 50. Geburtstag seiner Erfolgsreihe liefert Das Erste mit dem „Tatort: In der Familie“ exakt das, was wir von einem perfekten Krimi erwarten: Hochspannung, überraschende Wendungen und ein tragisches Finale.

In der Doppelfolge zum Jubiläum 50. Jahre „Tatort“ ermitteln die Dortmunder und Münchner Kommissare gemeinsam. Mit dabei natürlich auch Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr: Der Bayer arbeitet seit 1991 mit seinem Kollegen und Freund Batic zusammen.

„Tatort: In der Familie“: Am So, 29. November & So, 6. Dezember 20.15 Uhr im Ersten

GOLDENE KAMERA: Udo Wachtveitl, was mögen Sie am Jubiläums-„Tatort: In der Familie“?

Udo Wachtveitl: Erstens war es schön, wieder mal mit Dominik Graf zu arbeiten, der in unserer Anfangsphase den legendären „Tatort: Frau Bu lacht“ mit uns gedreht hat. Zweitens kannten wir die Regisseurin des 2. Teils, Pia Strietmann, ebenfalls schon - von „Unklare Lage“. Insofern hatten wir zwei gute Regisseure – und dann war es freilich mal interessant, in Dortmund zu ermitteln. Aus touristischen Gründen kommt man da ja auch nicht so oft hin. Auch hatte ich mir schon länger gewünscht, dass das Thema organisierte Kriminalität im Tatort behandelt wird. – weil es uns alle mehr betrifft als man gemeinhin annimmt.

Was haben Sie als Erstes gedacht, als Sie gehört haben, dass Sie in der Jubiläumsfolge ermitteln dürfen und wie happy sind Sie darüber?

Wir haben von allen „Tatort“-Ermittlern die meisten Fälle gelöst, da lagen wir sozusagen auf der Hand. Aber nicht immer geschieht das Naheliegende, insofern fühlen wir uns durchaus geachtet. Wie happy ich darüber bin, sage ich Ihnen, wenn ich die Filme gesehen habe. Das ist nämlich noch nicht geschehen. Dortmund wurde vermutlich auch deshalb gewählt, weil man die beiden Städte durchaus als Antipoden sehen kann; jedenfalls was ihre jeweiligen Klischees betrifft. Denken Sie nur an Fußball, Bier und Mentalität. Dramaturgisch betrachtet sind solche Gegensätze immer gut, das sind ja ganz unterschiedliche Arten, in der Welt zu sein. Für meinen Geschmack hätte dieser Aspekt im Buch ruhig eine größere Rolle spielen dürfen.

Wie lassen sich die Unterschiede in der Arbeitsweise von Dominik Graf und Pia Strietmann auf den Punkt bringen?

Ich sehe da eher Gemeinsamkeiten. Dominik Graf hat vielleicht einen leichten Vorsprung, wenn es um den Münchener Humor geht, weil er München besser kennt und wir bereits zwei, drei „Tatorte“ mit ihm gedreht haben - Pia Strietmann hat mit „Unklare Lage“ bewiesen, dass sie Polizeifilm kann.

Welchen Denkanstoß, welche Message bringt dieser Krimi rüber?

In erster Linie muss ein Tatort eine spannende Geschichte gut erzählen, dann darf auch gern eine gesellschaftspolitische Message dazu kommen. Ich finde es sehr gut, dass der Jubiläums-„Tatort“ das Thema Mafia ins Bewusstsein rückt, weil Deutschland – genau wie viele andere europäische Länder - in Gefahr ist, von mafiösen Strukturen unterwandert zu werden.

Wie gefällt Ihnen das Ende des 2. Teils?

Es menschelt halt schön, aber als der Staatsbürger Udo Wachtveitl halte ich mehr davon, so etwas rechtsstaatlich zu lösen. Ob die Tat des Mädchens wirklich zu rechtfertigen ist, das sollte ein Richter entscheiden. Ich möchte in einem Land leben, wo es nach Recht und Gesetz geht und nicht nach Sympathie.

Wie lange läuft Ihr „Tatort“-Vertrag? Wie lange haben Sie noch Lust auf‘s Ermitteln?

Wir hatten noch nie einen „Tatort“-Rahmenvertrag mit dem BR, sondern schließen jeweils Einzelverträge ab. Inzwischen haben wir davon bald 90. Ich hätte kein gutes Gefühl dabei, für Bücher zu unterschreiben, deren Inhalt ich noch nicht kenne. Und wie lange ich es noch machen will? Auf diese Frage wusste ich schon nach 10 oder 15 Folgen keine Antwort. Solange es interessante Bücher gibt, setze ich mir keine Deadline. Aber ich bin jetzt 62 Jahre alt, und irgendwann wird es läppisch. Wenn man mit dem Rollator einem Täter hinterherrennen muss, dann ist es spätestens Zeit aufzuhören.