Dominik Graf im Interview zum Jubiläums-„Tatort“

Regisseur Dominik Graf beim "Tatort"-Dreh mit Jörg Hartmann.
Regisseur Dominik Graf beim "Tatort"-Dreh mit Jörg Hartmann.
Foto: WDR
Pünktlich zum 50. Geburtstag seiner Erfolgsreihe liefert Das Erste mit dem „Tatort: In der Familie“ exakt das, was wir von einem perfekten Krimi erwarten: Hochspannung, überraschende Wendungen und ein tragisches Finale.

In der Doppelfolge zum Jubiläum 50. Jahre „Tatort“ ermitteln die Dortmunder und Münchner Kommissare gemeinsam. Den Auftakt des zweiteiligen Mafiakrimis verantwortet Starregisseur Dominik Graf. Für den 68-Jährigen war es die erste Zusammenarbeit mit den Dortmunder Ermittlern. Mit dem Münchener Team drehte er bereits preisgekrönte „Tatort“-Folgen, darunter etwa 1995 „Frau Bu lacht“.

„Tatort: In der Familie“: Am So, 29. November & So, 6. Dezember 20.15 Uhr im Ersten

GOLDENE KAMERA: Im „Tatort“-Jubiläumskrimi ereignet sich der erste von mehreren Morden in der allerersten Sekunde. Warum war Ihnen das wichtig?

Warum nicht mal in der ersten Sekunde ein tödlicher Messerstich? Das gibt sofort einen Anstoß. Man sitzt gleich auf dem Sofa aufrecht.

Wie schätzen Sie die Zukunft des „Tatort“ ein?

Wenn man das Format immer weiter fordert, und überraschende Dinge macht, und den einen oder anderen Shitstorm gelassen in Kauf nimmt, kann man durchaus eine neue „Tatort“-Zuschauergeneration begeistern. Aber dazu muss man viel wagen. Ansonsten ist die Reihe irgendwann nur noch ein Familiensofa-Programm.

Apropos Wagnis: Wie gut haben Ihnen die Schweiger-„Tatorte“ gefallen?

Ich fand sie toll. Sie haben richtig Rabatz gemacht. Damit sowas gelingt, muss man natürlich Geld in die Hand nehmen – weil Action Geld kostet. Ja, ich finde die Schweiger-„Tatorte“ in ihrer Gesamtheit belebend.

Wie wichtig ist eine gute „Tatort“-Einschaltquote?

Auf die Quoten zu gucken ist eine völlig überschätzte Erbsenzählerei. Viele der besten „Tatorte“ hatten schwache Zuschauerzahlen. Ich habe nichts gegen konventionelle „Tatorte“. Aber um die Serie insgesamt am Leben zu halten, braucht es immer wieder Experimente. Wobei ja ausgerechnet diese Forschungs-Freudigkeit jüngst beim „Tatort“ kritisiert wurde. Meiner Meinung nach hatte es sich dabei jedoch gar nicht um Experimentalfilme gehandelt. Experimentell war beispielsweise Jan Bonnys „Tatort“ „Ich hab‘ im Schlaf geweinet“, bei dem die erste Leiche erst nach 30 Minuten auftaucht, und die Schwarzwaldkommissare während der Fasnacht hauptsächlich betrunken auf dem Bett rumgerollt sind. Wunderbar.

Was ist das Erfolgsgeheimnis des „Tatort“?

Dass es Polizeifilme mit der Chance zu einem unglaublichen Variantenreichtum sind, und dass sie an verschiedensten Orten mit verschiedenen Dialekten spielen. Und weil alle, die sich gern am Sonntagabend aufregen, auch oft auf ihre Kosten kommen, beispielsweise, wenn es eine Riesenaufregung über die Improvisations-„Tatorte“ aus Ludwigshafen gibt. Beim „Tatort“ weiß man nie, was einen in der Geschenkpackung erwartet. Insofern ist er wie ein Glücks- oder Pechkeks – wie diese Bomben im Chinarestaurant, an denen man von zwei Seiten zieht.

Ihre Lieblings-„Tatort“-Folge?

Der Sam-Fuller-Tatort „Tote Taube in der Beethovenstraße“ von 1973 ist einer der überwältigendsten Filme.