"Aus Haut und Knochen": Film über den Hunger nach Leben

Anja Kling in "Aus Haut und Knochen".
Anja Kling in "Aus Haut und Knochen".
Foto: Sat.1 / Martin Valentin Menke
Mit viel Sensibilität wagt sich der TV-Film "Aus Haut und Knochen" (Dienstag, 1. Dezember, 20.15 Uhr, Sat.1) an das brisante Thema Magersucht.

GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Anja Kling (1996, 2009) spielt in diesem sehr sehenswerten Film die Mutter einer magersüchtigen Tochter.

Darum geht's in "Aus Haut und Knochen"

Die 16-jährige Lara wirkt wie ein ganz normales Mädchen. Sie treibt Sport, ist in sozialen Medien aktiv, eine gute Schülerin. Als ihre Eltern Susanne (Anja Kling) und Peter (Oliver Mommsen) eher zufällig bemerken, dass Lara unter weiten Klamotten einen spindeldürren Körper verbirgt, schrillen bei ihrer Mutter die Alarmglocken. Ist es Magersucht?

Trailer: "Aus Haut und Knochen"

Hintergrund

„Das ist ein so wichtiges und sensibles Thema, und der Film lenkt Aufmerksamkeit darauf und schafft Bewusstsein dafür“, stellt Lisa-Marie Koroll gleich zu Beginn des Gesprächs mit GOLDENE KAMERA fest. Die Schauspielerin, die viele Kinder und Jugendliche aus den "Bibi & Tina"-Filmen kennen, gibt im Drama "Aus Haut und Knochen" die essgestörte Lara. "Das waren herausfordernde Dreharbeiten, auch weil es mir wichtig war zu zeigen, was innerlich in ihr vorgeht. Das, was man äußerlich sieht, ist nur ein Bruchteil dessen, was in den Betroffenen vorgeht", erklärt Koroll.

So wird Laras Körper auch nicht als Schauobjekt vorgeführt. Vielmehr will der Film Aufklärungsarbeit leisten – fernab von weitverbreiteten Vorurteilen.

"Laras Familie funktioniert harmonisch, sie ist weder arm noch reich, noch hat sie besonders viele Probleme", so Koroll. Auch dass Laras Magersucht von ihren Eltern zunächst gar nicht wahrgenommen wird, komme oft vor.

"Eine Essstörung kann immer und überall auftreten", meint Koroll, die sich zur Vorbereitung auf den Film sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt hat und dabei mit "hartem Tobak" konfrontiert wurde.

Mehr als jedes fünfte Kind zwischen 11 und 17 Jahren in Deutschland hat eine Essstörung, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln ermittelt hat. Dazu gehören Magersucht, Bulimie, auch Ess-Brech-Sucht genannt, und eine Binge-Eating-Störung. Bei Letzterer nehmen die Betroffenen innerhalb kurzer Zeit große Nahrungsmengen auf, essen exzessiv und übermäßig.

Laut der Ärztekammer Niedersachsen sterben 16,8 Prozent der Mädchen und Jungen, Frauen und Männer an ihrer Erkrankung. Fast die Hälfte aller 15-jährigen Mädchen und ein Fünftel der Jungen finden sich zu dick, obwohl sie normalgewichtig sind. In diesem Alter hat laut BZgA jedes zweite Mädchen bereits Diäterfahrungen gemacht, jedes vierte sogar mehrfach. Betroffene können bei der BZgA Hilfe finden (0221/ 89 20 31 oder bzga-essstoerungen.de).

Magersüchtige wie Lara seien jedenfalls extrem zielstrebig und intelligent, sie verspürten den Zwang, alles kontrollieren zu müssen und das Bedürfnis, in die leistungsorientierte Gesellschaft hineinzupassen, meint Lisa-Marie Koroll: "Die Auslöser sind letztlich unterschiedlich, aber alle durchaus nachvollziehbar."

"Ich will leben, ich weiß nur nicht, wie es geht", sagt die Lara im Film. Ihre einzige Chance ist es, professionelle Hilfe anzunehmen. Korolls Appell: "Handelt sofort, wenn Anzeichen bestehen!"