"Tatort: In der Familie 2": Im Visier der Mafia

Den 50. Geburtstag feiert das "Tatort"-Team mit einem 2. Crossover zwischen den Dortmunder und Münchner Kommissaren.

Was für ein Finale! Im ersten Teil des "Tatort: In der Familie" bringt der Mann seine eigene Frau mit den bloßen Händen um. Ein weiterer Mörder, dem die Familie Unterschlupf gewährt hatte, flieht derweil mit der Tochter. Und hier setzt die Fortsetzung an. Selbst wer den Vorgänger letzte Woche verpasst hat, aber diesen Ausgangspunkt kennt, kann sich in diesem Fall zurechtfinden. Denn der "Tatort: In der Familie 2" (Sonntag, 6.Dezember um 20.15 Uhr im Ersten) handelt zwar von denselben Charakteren, erzählt aber eine ganz eigene und intensive Geschichte, die diesmal in München spielt.

Darum geht's im "Tatort: In der Familie 2"

Ein Mann hängt kopfüber baumelnd an einem Seil von einer Brücke. Zwei Männer ziehen das Seil hoch und runter, so dass der Kopf des Opfers, welcher in einem Sack steckt immer wieder in den reißenden Fluss eintaucht. Die beiden Männer sind Pippo Mauro (Emiliano De Martino) und Luca Modica (Beniamino Brogi), die gemeinsam mit Lucas Tochter Sofia (Emma Preisendanz) aus Dortmund geflohen sind, nachdem die Mutter sie bei der Polizei verraten hat.

In München suchen sie Hilfe beim Mafiosi Domenico Palladio (Paolo Sassanelli). Als Freundschaftsdienst wollen sie für ihn einen Mann vom Baudezernat unter Druck setzen. Doch das läuft so schief, dass der Mann am Seil stirbt. Hauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) untersuchen diesen Mord.

Als Sofia ihre Mutter anzurufen versucht, schaltet sich auch Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) , der das Handy der Toten hat, ein. Gemeinsam versuchen die drei Ermittler die Machenschaften der Mafia zu durchleuchten. Derweil schwebt Sofia in immer größerer Lebensgefahr.

Hintergrund

Faber ermittelt ohne Nora Dalay. Die hat in der ersten Folge des "Tatort: In der Familie" ihre Dienstmarke abgegeben. Lesen Sie hier im Interview mit Aylin Tezel, warum die Schauspielerin ausgestiegen ist.

Die Doppelfolge wurde von zwei verschiedenen Regisseuren inszeniert "Dennoch ist sie ein Gesamtkunstwerk. Außerdem durfte unser Team endlich mal auf die Münchner treffen, und auch der Kriminalfall ist für uns Dortmunder untypisch. Denn bislang wurden unsere Fälle immer aus Sicht der Ermittler erzählt. Dieses Dogma haben wir zugunsten der Story im Mafiamilieu über Bord geworfen. Die Geschichte hat einen Sog, ist heftig, brutal und extrem spannend", erklärt Jörg Hartmann im Interview mit der GOLDENEN KAMERA.

Und auch die Schauspieler der Münchner Kommissare waren begeistert von dem Mafia-Thema. Udo Wachtveitl sagt im Interview mit der GOLDENEN KAMERA: "In erster Linie muss ein Tatort eine spannende Geschichte gut erzählen, dann darf auch gern eine gesellschaftspolitische Message dazu kommen. Ich finde es sehr gut, dass der Jubiläums-'Tatort' das Thema Mafia ins Bewusstsein rückt, weil Deutschland – genau wie viele andere europäische Länder - in Gefahr ist, von mafiösen Strukturen unterwandert zu werden." Und Miroslav Nemec ergänzt: "Man geht immer eher davon aus, dass die Mafia mit irgendwelchen amerikanischen Paten oder der ‘Ndrangheta in Italien zusammenhängt – aber dass diese mafiösen Strukturen auch hier in Deutschland ein großes Thema sind, weil die Mafia hierzulande im Stillen operiert, wurde mir durch die Beschäftigung mit dem Drehbuch noch bewusster." (lesen Sie hier das ganze Interview mit Miroslav Nemec)

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Auf lange Strecke sind die Kommissare fast nur Beiwerk. Was eigentlich schade ist, weil gerade die ungewöhnliche Kombination aus Faber und Leitmayr viel Zündstoff und Wortwitz liefert.

Doch im Umfeld der italienischen Mafia befinden sich schon genügend spannende, zum Teil auch klischeehafte Charaktere, deren Geschichten den Sonntagabendkrimi bestens füllen. Allen voran spielt Emma Preisendanz die Rolle Sofia mit einer solchen Intensität, dass ihre Zerrissenheit zwischen Verzweiflung, Trauer und Wut nur allzu deutlich wird. Ein harter Stoff, der da aufgerollt wird und der dem Vorgänger - vor allem emotional - noch eine Schippe drauflegt.