"Der Kommissar und die Wut": Wenn das Auto zur Waffe wird

Das TV-Drama "Der Kommissar und die Wut"greift ein brisantes aktuelles Thema auf: lebensgefährliche illegale Straßenrennen.

Ein Wohnviertel in Berlin. Spätabends, herrlich ruhig – bis provozierend langsam ein protziger Wagen übers Kopfsteinpflaster rollt und sein dröhnender Motor die Stille zerreißt. Schon stürmt ein aufgebrachter Anwohner auf die Straße. So beginnt „Der Kommissar und die Wut“ (Montag, 7. Dezember, 20.15 Uhr im ZDF und bereits in der Mediathek), ein neuer Fall für Kommissar Martin Brühl (Roeland Wiesnekker).

Darum geht's in "Der Kommissar und die Wut"

Martin Brühl (Roeland Wiesnekker) soll klären, warum der 19-jährige Tim (Aaron Hilmer) von einer nächtlichen Spritztour im Mustang nicht nach Hause gekommen ist. Am nächsten Tag geht bei seinem Vater, dem Autohändler Heiner Jatzkowski, eine Lösegeldforderung ein, die allerdings wirkt ziemlich stümperhaft. Der arrogante Jatzkowski (Benno Fürmann) will nicht zahlen und schaltet hinter dem Rücken der Polizei seine Milieukontakte ein: Berlins Clans zählen zu den besten Kunden des „King of Cars“.

Unterdessen haben Kommissar Brühl und Kriminalpsychologin Susanne Koch (Meike Droste) bereits einen Verdächtigen im Visier: den Weinhändler Oliver Froeling (Lukas Gregorowicz), dessen Leben nach einem entsetzlichen Unfall auf dem Ku’damm aus den Fugen geraten ist.

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Hintergrund

Luxusschlitten als tödliche Waffen, die mit 120 km/h durch die Stadt rasen: Der komplexe ZDF-Krimi setzt sich mit illegalen Autorennen und verantwortungsloser Raserei auseinander.

Christoph Darnstädt im Interview

„Das bereitet mir und unserem Produzenten Wut, deshalb wollten wir es unbedingt zum Thema machen“, erklärt der preisgekrönte Drehbuchautor Christoph Darnstädt im Interview. „In Berlin kennt jeder das Schaufahren von Leuten, die in Ferraris, Maseratis, getunten Mercedes oder ähnlichen Autos mit laut röhrenden Motoren zeigen müssen, wie schnell sie fahren können. Die Unfallgefahr ist immer da“, betont Darnstädt.

Seit 2017 ist der gefährliche Temporausch keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat: Teilnehmer verbotener Rennen müssen mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen. Den Ausschlag für das neue Gesetz gaben vor allem die „Ku’damm-Raser“, die 2016 einen 69-jährigen Mann töteten. Der Fall ging bis vor den Bundesgerichtshof. Letztlich wurde der Hauptangeklagte Hamdi H. zu lebenslanger Haft verurteilt – wegen Mordes: Der BGH bescheinigte Tatvorsatz, wörtlich „Heimtücke und Tötung aus niedrigen Beweggründen“. Mittäter Marvin N. steht seit Oktober erneut vor Gericht.

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Zu wenig Abschreckung

Doch sogar dieser Präzedenzfall zeigt bislang kaum abschreckende Wirkung. Die Zahl der Kraftfahrzeugrennen – die auch sogenannte Alleinrennen umfasst, also Vollgas ohne direkte Rivalen – steigt. Eine bundesweite Raserstatistik gibt es zwar nicht. Aber eine dpa-Umfrage im August dieses Jahres, an der immerhin neun Bundesländer teilnahmen, ergab: 2020 wurden über ein Drittel mehr Fälle polizeilich registriert als im Vorjahr. Auf den Spitzenreiter Nordrhein-Westfalen folgt die Raserhauptstadt Berlin. Hier hat sich die Zahl sogar fast verdreifacht, laut Senat findet demnach rein rechnerisch jeden Tag ein Rennen statt. Erst Ende August sorgte wieder ein schwerer Unfall auf dem Kurfürstendamm für Schlagzeilen. Dabei wurden zwei Frauen schwer verletzt. Der mutmaßliche Fahrer des gemieteten BMW, der in ihren Ford raste, sitzt in Untersuchungshaft.

Aus dem Verkehr ziehen

Ein konkretes Vorbild gab es für die Figur nicht, erklärt Christoph Darnstädt. „Aber ich sehe bei uns Autohäuser, in denen zehn Ferraris im Fenster stehen. Jeder kostet ein paar Hunderttausend Euro. Die meisten, die sich Rennen damit liefern, können sich solche Autos aber gar nicht leisten. Die bekommen die Wagen von den Händlern tageweise vermietet oder geleast. Da würde ich doch mal nachfragen, ob das verantwortungsbewusst ist.“

Die Schuldfrage beschäftigt den Autor. „Trotzdem bin ich nicht ganz überzeugt, ob Mord die richtige Anklage ist. Das deckt sich nicht mit meinem Rechtsempfinden: In Kauf nehmen ist kein Vorsatzmerkmal. Ich fände es wichtiger, konsequent strengere Strafen für Geschwindigkeitsübertretungen zu verhängen. Wer mit 100 km/h durch die Innenstadt rast, tut das nicht aus Versehen! Wer zweimal erwischt wird, dem wird für drei Monate der Führerschein weggenommen. Abschrecken würde es, Führerscheine schneller, länger und im Wiederholungsfall endgültig einzuziehen“, meint Darnstädt. „Und das Auto gleich mit. Bei Kontrollen am Ku’damm zieht die Polizei regelmäßig getunte Wagen wegen überhöhter Lautstärke, Geschwindigkeit oder ohne Zulassung aus dem Verkehr. Gut so! Für die Fahrer ist das wahrscheinlich fast so schlimm, als nähme man ihnen die Kinder weg.“

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

„Der Kommissar und die Wut“ zählt zu jenen Krimis, bei denen der Zuschauer von Anfang an mehr weiß als die Ermittler. Um dann doch überrascht zu werden. Nur so viel: Der erpresste „Ki