Schirach zeigt in "Feinde" den Kampf um die Wahrheit

Ein Fall, zwei Perspektiven: Mit dem Drama „Feinde“ lädt Ferdinand von Schirach erneut zu einem TV-Experiment.

Auch der neue Film nach einer Vorlage des renommierten Strafverteidigers Ferdinand von Schirach (56) ist ein Experiment: Wie bereits in den Verfilmungen seiner Werke „Terror“ und „Gott“ lädt der Autor dazu ein, sich eine eigene Meinung zu bilden. Beim zweiteiligen Drama „Feinde“ können die TV-Zuschauer zwar nicht abstimmen, doch sie sehen das Verbrechen erst aus Sicht des Kommissars, dann aus der des Strafverteidigers – oder umgekehrt. Konkret heißt das: Entweder folgen sie dem Ermittler in „Feinde: Gegen die Zeit“ (Sonntag, 3. Januar, 20.15 Uhr im Ersten), oder sie wählen auf einem der dritten Programme die Perspektive des Strafverteidiger in „Feinde: Das Geständnis“. Der jeweils andere Film wird sowohl im Ersten wie in den Dritten im Anschluss gezeigt. Die Zuschauer verpassen also nichts. Sie können sich ein umfassendes Bild einer komplexen Geschichte machen.

Darum geht's in "Ferdinand von Schirach: Feinde"

Auf den ersten Blick scheint der Fall klar: Nachdem der Security-Mann Georg Kelz (Franz Hartwig) das Vertrauen des Millionärspaars von Bode gewonnen hat, wird dessen zwölfjährige Tochter Lisa (Alix Heyblom) entführt. Die Forderung des Kidnappers: 5 Millionen Euro in Bitcoins. Kommissar Peter Nadler (Bjarne Mädel) vermutet, dass Kelz in das Verbrechen verstrickt ist, und lässt ihn verhaften. Tatsächlich gelingt es dem Ermittler, Kelz Lisas Aufenthaltsort zu entlocken – doch er kommt zu spät: Durch einen tragischen Unfall ist das entführte Mädchen erstickt.

Vor Gericht fordert die Staatsanwältin (Neda Rahmanian), Kelz zu inhaftieren, doch sie hat die Rechnung ohne dessen gewieften Verteidiger Konrad Biegler (Klaus Maria Brandauer) gemacht. Der Jurist verlangt Kelz’ Freispruch. Das hat verheerende Folgen.

Hintergrund

Das Verbrechen im Film erinnert an einen wahren Fall: die Entführung und Ermordung des kleinen Jakob von Metzler 2002 durch den inzwischen verurteilten Magnus Gäfgen. Strittig war damals die Frage: Darf man zur Rettung eines Entführungsopfers Folter einsetzen? GOLDENE KAMERA wollte wissen, wie die beiden Stars des Films darüber denken. Klaus Maria Brandauer (GOLDENE KAMERA 1991) erklärt: „Die realen Vorbilder für den Fall sind augenscheinlich, aber für das Projekt nicht in erster Linie wichtig. Ferdinand von Schirach versucht, die Erzählung in eine andere Richtung zu lenken, indem er den Raum für eine gesellschaftliche Resonanz auf das Thema eröffnet.

Klar ist, dass Folter als Mittel für was auch immer grundsätzlich geächtet werden muss. Nicht nur hier bei uns, sondern überall.“ (lesen Sie hier das ganze Interview mit Klaus-Maria Brandauer) Bjarne Mädel ergänzt: „Ich bin ebenfalls gegen ‚Rettungsfolter‘, weil die Fehlerquote zu hoch ist – und weil Menschen sogar unter Folterbedingungen oftmals lügen. Ich bin auf der Seite des Anwalts, der dafür plädiert, dass wir uns als Gesellschaft an Gesetze und Recht halten müssen.“ (lesen Sie hier das ganze Interview mit Bjarne Mädel)