Klaus-Maria Brandauer: " Der Zuschauer ist mehr gefordert"

Klaus Maria Brandauer (Rolle Konrad Biegler, vorne) und Bjarne Mädel (Rolle Peter Nadler).
Klaus Maria Brandauer (Rolle Konrad Biegler, vorne) und Bjarne Mädel (Rolle Peter Nadler).
Foto: © rbb/ARD Degeto/Moovie GmbH/Stephan Rabold
Ein Fall, zwei Perspektiven: Das Drama „Feinde“ (Sonntag, 3. Januar, 20.15 Uhr im Ersten) von Ferdinand von Schirach. Wir sprachen mit Hauptdarsteller Klaus-Maria Brandauer.

Darum geht's in "Ferdinand von Schirach: Feinde"

Auf den ersten Blick scheint der Fall klar: Nachdem der Security-Mann Georg Kelz (Franz Hartwig) das Vertrauen des Millionärspaars von Bode gewonnen hat, wird dessen zwölfjährige Tochter Lisa (Alix Heyblom) entführt. Die Forderung des Kidnappers: 5 Millionen Euro in Bitcoins. Kommissar Peter Nadler (Bjarne Mädel) vermutet, dass Kelz in das Verbrechen verstrickt ist, und lässt ihn verhaften. Tatsächlich gelingt es dem Ermittler, Kelz Lisas Aufenthaltsort zu entlocken – doch er kommt zu spät: Durch einen tragischen Unfall ist das entführte Mädchen erstickt. Vor Gericht fordert die Staatsanwältin (Neda Rahmanian), Kelz zu inhaftieren, doch sie hat die Rechnung ohne dessen gewieften Verteidiger Konrad Biegler (Klaus Maria Brandauer, GOLDENE KAMERA 1991) gemacht. Der Jurist verlangt Kelz’ Freispruch. Das hat verheerende Folgen.

Interview mit Klaus-Maria Brandauer

GOLDENE KAMERA: Was ist der Reiz an dem TV-Zweiteiler „Ferdinand von Schirach: Feinde“?

Klaus-Maria Brandauer: Die Geschichte wird aus zwei verschiedenen Perspektiven gezeigt und zwar jeweils für volle 90 Minuten. Der Zuschauer ist dadurch viel mehr gefordert als üblich, er muss sich Zeit nehmen, genau hinschauen, seinen eigenen Standpunkt finden und diesen möglicherweise auch hinterfragen.

Wie war Ihr Austausch mit Ferdinand von Schirach?

Wir haben viel gesprochen, aber gar nicht so oft über das Drehbuch. Dort steht ja schon alles drin und unsere Aufgabe war es, dieses zum Leben zu erwecken. Ich bin kein Freund davon, Dinge im Vorfeld zu zerreden. Das Ergebnis muss stimmen.

Was finden Sie reizvoll an Ihrer Figur?

Biegler ist einer, der kann was er tut und dabei ist er sehr konsequent. Auf der anderen Seite ist er auch Genussmensch, einer der es zu leben versteht. Ich habe eine große Sympathie für diese Profis vom alten Schlag, mit klarem Wertegerüst, die auch dann Haltung zeigen, wenn der Wind sich dreht.

Wie hat sich Ihre Meinung über Folter bzw. Rettungsfolter durch die Beschäftigung mit dem Thema verändert?

Klar ist, dass Folter als Mittel für was auch immer grundsätzlich geächtet werden muss. Nicht nur hier bei uns, sondern überall.

Gibt es Gerechtigkeit?

Gerechtigkeit ist einer der Grundbausteine, auf denen unsere Gesellschaft ruht. Kompliziert wird es immer dann, wenn zu ihr andere Grundwerte, wie zum Beispiel die Freiheit, in Konkurrenz geraten. Das passiert ja pausenlos und das muss man dann lösen. Das klingt einfacher, als es ist, ich weiß!

Gibt es „das Böse“?

Das ist eine gute Frage, die sich jeder selber stellen sollte. Die bequeme Antwort lautet: Ja. Die unbequeme Antwort ist die Folgefrage: Was kann ich tun? Wenn „das Böse“ uns hindert, ins Denken und ins Handeln zu kommen, dann hat es schon gewonnen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Erinnert Sie der Fall an Magnus Gäfgen und den Mordfall Jakob von Metzler?

Die realen Vorbilder für den Fall sind augenscheinlich, aber für das Projekt nicht in erster Linie wichtig. Ferdinand von Schirach versucht die Erzählung in eine andere Richtung zu lenken, indem er den Raum für eine gesellschaftliche Resonanz auf das Thema eröffnet. Das ist ihm außerordentlich gut gelungen, er spielt die Karte zurück zum Publikum. Jeder muss mit sich selber ausmachen, welcher Linie er folgen kann, das kann eine ziemliche Herausforderung sein.

Verstehen Sie, dass jemand einen Menschen wie Kelz freiwillig verteidigt?

Ja, das ist für Biegler eine Selbstver