Lebensretter in Not im "Tatort: Rettung so nah"

Karin Gorniak (Karin Hanczewski, li.) und Leo Winkler (Cornelia Gröschel) und Kollegen mit vorgezogener Waffe.
Karin Gorniak (Karin Hanczewski, li.) und Leo Winkler (Cornelia Gröschel) und Kollegen mit vorgezogener Waffe.
Foto: © MDR/MadeFor/Daniela Incoronato
In Dresden werden Rettungsassistenten tödlich angegriffen. Karin Gorniak und Leonie Winkler müssen schnell handeln, bevor noch mehr Sanitäter sterben.

Dass Rettungskräfte schon mal bei der Arbeit von Gaffern gestört oder angepöbelt werden, wenn sie den Verkehr behindern, gehört inzwischen wohl leider zum Alltag. Aber dass jemand es gezielt auf sie abgesehen hat, ist ein sehr gruseliges Szenario, welches im Dresdner "Tatort: Rettung so nah" (Sonntag, 7. Februar, 20.15 Uhr im Ersten) spannend erzählt wird.

Darum geht's im "Tatort: Rettung so nah"

Eine verletzte Obdachlose liegt unter einer Brücke am Elbufer. Während die Sanitäterin Greta Blaschke (Luise Aschenbrenner) sie versorgt, kehrt ihr Kollege Tarik Wasir kurz zum Rettungswagen zurück. Dort wird er mit einer Plastiktüte erstickt.

Warum bringt jemand einen syrischen Retttungsassistenten um? Den Kommissaren Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) gegenüber beteuert Greta nichts gesehen zu haben. Sie habe aber schon lange das Gefühl verfolgt zu werden.

Verdächtige gibt es plötzlich viele. Denn bei der Polizei stapeln sich die Akten mit Angriffen auf Rettungskräfte: Hooligans, die bei Fußballspielen auf sie los gehen, Drogenabhängige, die Notarztwagen in dunkle Ecken lotsen, um sie dann, auf der Suche nach Medikamenten, zu überfallen. Zudem wurden der Tote und seine Kollegin Blaschke angezeigt, nachdem ein Kind in ihren Händen gestorben ist.

Als es zu einem weiteren Anschlag auf einen Rettungswagen der gleichen Wache kommt und noch ein Sanitäter stirbt, sind sich die Ermittler einig: Jemand hat es gezielt auf dieses Team abgesehen.

Die Kollegen sind verängstigt, Panik bricht aus. Kommissar Schnabel (Martin Brambach) will die Wache schließen lassen, doch wer rettet dann die Verletzten? Fortan fährt bei jedem RTW ein Polizist mit.

Hintergrund

Die Episodenhauptrolle der Sanitäterin Greta Blaschke übernimmt Luise Aschenbrenner. Die 25-Jährige ist ein festes Ensemblemitglied am Staatsschauspiel Dresden. Sie wirkte bereits im "Tatort: Dein Name sei Harbinger" und im "Tatort: Die ewige Welle" mit.

MDR/Filmcontakt: "Rettung so nah" greift ein Thema auf, das aktuell in den Medien präsent ist – die Zunahme von Aggression und Gewalt gegenüber Rettungskräften, Polizei oder Feuerwehr. Haben Sie dazu eigene Beobachtungen gemacht und eine Idee, woher dieses Verhalten rühren könnte?

Luise Aschenbrenner: Grundsätzlich kommt man als Rettungssanitäterin immer in Extremsituationen, in denen man auf Menschen trifft, die Angst haben. Die Leute sind angespannt, man macht sich Sorgen um einen Angehörigen, oder es können Drogen im Spiel sein. Einsätze auf öffentlichen Plätzen ziehen natürlich auch Schaulustige an. Das alles kann Grundlage für eine Eskalation sein. Zusätzlich habe ich gerade das Gefühl, dass die Grundstimmung der Bevölkerung durch unsere Ausnahmesituation „Corona“ geladener geworden ist. Man fühlt sich machtlos gegen etwas, das man noch nicht einmal mit bloßem Auge sehen kann. Etwas, das einen zwingt, seine Freunde nicht mehr zu sehen, Unternehmungen im öffentlichen Raum einzuschränken und einen auf sich und seine Wohnung zurückwirft.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Endlich mal wieder ein fesselnder, fein austarierter und gesellschaftskritischer "Tatort" am Sonntagabend. Der Zuschauer geht emotional gut mit. Gleich zu Anfang schafft es die Regisseurin, das Mitleid für die Obdachlose zu erwecken. Isabel Braak nutzt Zeitlupe, Zeitsprünge, setzt die sehr passende Musik an den richtigen Stellen ein und zeigt dann wieder eine Dichte an Bildern, welche geradezu künstlerisch wirken - kurzum eine gelungene Inszenierung.

Und auch der Inhalt wird durch den Aufbau sehr spannend transportiert. Dass Menschen, die Leben retten, angefeindet werden, ist unbegreifbar. Bleibt zu hoffen, dass Autor Christoph Busche hier nur seiner Fantasie freien Lauf gelassen hat und die Realität nicht so brutal aussieht.