Warum musste ein Junge im "Spreewaldkrimi" nackt erfrieren?

Verhör nach dem Fest: Thorsten Krüger (Christian Redl, l.) und Fichte (Thorsten Merten, r.) befragen die Jugendlichen.
Verhör nach dem Fest: Thorsten Krüger (Christian Redl, l.) und Fichte (Thorsten Merten, r.) befragen die Jugendlichen.
Foto: © ZDF/Arnim Thomaß
Die Zeichen stehen auf Abschied: Wird die "Spreewaldkrimi"-Reihe fortgesetzt?

Mystisch war der "Spreewaldkrimi" ja schon oft und auch die 13. Folge "Totentanz" (Montag, 8. Februar, 20.15 Uhr im ZDF und bereits in der Mediathek) übertrifft sich wieder mit geheimnisvollen Bildern. Das liegt nicht nur daran, dass Fastnacht gefeiert wird.

Anfang: "Spreewaldkrimi - Totentanz"

Darum geht's im "Spreewaldkrimi - Totentanz"

Ein nackter Mann liegt erfroren auf einem Acker. Die Krähen haben sich über seinen Körper hergemacht und seine Augen ausgehackt. Der After des Opfers weist Spuren von Sperma auf.

Nachdem Polizist Fichte (Torsten Merten) Bilder vom Toten im Umkreis gezeigt hat, erkennt ihn Nina Doebel (Marlene Tanczik). Gemeinsam mit ihrer alten Jugendclique haben sie und das Opfer eine große Fastnachtsparty, bei der reichlich Alkohol geflossen ist und wohl auch Drogen im Spiel waren, gefeiert. Der Tote, Lukas Fiebow (Matti Schmidt-Schaller), war Blogger und veröffentlichte viele sehr gesellschaftskritische Statements.

Eigentlich lebte er inzwischen in Frankfurt (Main), kehrte aber ein Mal im Jahr zur wendischen Fastnacht in seine alte Heimat in den Spreewald zurück.

Kommissar Krüger (Christian Redl) kann sich kaum auf den Fall konzentrieren. Die Pathologin Marlene, eine gute Freundin des Kommissars, hat Chorea Huntington. Krüger überlegt seinen Beruf aufzugeben, um fortan für Marlene da zu sein.

Hintergrund

Seit seinem Nahtoderlebnis in der 10. Folge befindet sich Krüger in einer Sinnkrise.

Christian Redl im Interview zum 10. Spreewaldkrimi:

Interview Christian Redl zum 10. "Spreewaldkrimi"

Schauspieler Christian Redl sagt: "Gereizt hat mich der melancholische Grundton im 'Totentanz'. Eine Leiche wurde gefunden, und wieder einmal wird Krüger mit dem gewaltsamen Tod eines Menschen konfrontiert. Wieder einmal weiß er, dass, selbst wenn er den Fall lösen kann, das Morden weiter gehen wird. Er schaut zurück auf sein Leben als Kommissar und fragt sich, was seine Arbeit im Laufe der Jahre aus ihm gemacht hat. Eine Frage, die ich mir persönlich übrigens auch gerade stelle."

In dieser Folge ist Krüger nachdenklicher denn je. So sinniert er über seine Arbeit: "Zu viel leid, zu viele Tragödien, ich will nicht mehr". Krüger möchte seinen Job am liebsten an den Nagel hängen. "Stattdessen ein ganzes Jahr lesen, das würde er gern", sagt er. Wird er es wirklich durchziehen und sich pensionieren lassen?

Wer seinen Abschied schon bekannt gegeben hat, ist Thomas Kirchner, Autor aller bisherigen "Spreewaldkrimis". "Nach diesen 13 Filmen ist ein Ziel erreicht, von dem aus neu aufgebrochen werden soll. Meine Reise hingegen ist an dieser Stelle zu Ende. Sie war 15 Jahre lang ziemlich einzigartig, und dafür möchte ich allen Mitstreitern herzlich danken und ihnen weiterhin viel Erfolg und geheimnisvolle und besondere Filme wünschen", sagt Kirchner.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Der "Spreewaldkrimi - Totentanz" kommt besonders schwermütig daher. Krüger zeigt fast schon depressive Züge und auch die Inszenierung, sowie die unheilvolle Musik des Babelsberger Filmorchester wirken bedrückend.

Dabei ist das Thema gut gewählt: Digitalisierung trifft auf alte Traditionen, Blogger auf den Fastnachtbrauch. Es erscheint fast schon wie ein Running Gag, dass es in der ganzen Spreewaldregion schlechtes Internet und oft keinen Handyempfang gibt.

Der klassische Krüger, der, wie immer routiniert und unaufgeregt ermittelt, braucht technische Unterstützung, wenn es um Themen wie "Cybermobbing" geht. Dieser Kontrast hat durchaus seinen Reiz.

Doch immer wieder ist die Rede vom Abschiednehmen. Besonders dieses Episodenende ist nicht nur tragisch, sondern sehr hart. Und tatsächlich könnte die Reihe von der Erzählung her auch aufhören. Zum Glück hat das ZDF dies aber nicht verkündet. Wir dürfen also hoffen, dass dieser gebrochene, aber durchaus interessante Kommissar noch eine Wandlung erleben darf.