Der soziale Abstieg im "Tatort: Wie alle anderen auch"

Der "Tatort" aus Köln schildert auf eindringliche Art und Weise wie hart das Leben auf der Straße ist.

Gewalt gegen Frauen scheint mittlerweile, vielleicht auch aufgrund der Aktualität, ein regelmäßiges Thema im "Tatort" zu sein. Gerade erst erschütterte der "Tatort: Borowski und die Angst der weißen Männer" mit Anschlägen auf Frauen. Jetzt zeigt der "Tatort: Wie alle anderen auch" (Sonntag, 21. März, 20.15 Uhr im Ersten) wie stark vor allem die weibliche Bevölkerung vom sozialen Abstieg betroffen sein kann.

Darum geht's im "Tatort: Wie alle anderen auch"

Ein Mann geht auf seine Frau los. Sie verteidigt sich, schlägt ihm den Kopf ein. Nach dieser Tat ergreift Ella Jung (Ricarda Seifried) verzweifelt die Flucht. Zur Polizei kann sie nicht. Zum einen ist da die Angst, ihr Mann könne noch am Leben sein und sich rächen, zum anderen fürchtet die junge Frau, ins Gefängnis zu müssen. Also schlägt sich Ella auf der Straße durch. Zu ihrem Glück trifft sie auf die obdachlose Monika Keller (Rike Eckermann). Diese nimmt sie unter ihre Fittiche und hilft ihr das Leben ohne Dach überm Kopf zu meistern.

In einem Schnellrestaurant lernen die beiden wohnungslosen Frauen Axel Fahl (Niklas Kohrt) kennen. Während Ella ihn überredet, ihr Unterschlupf für die Nacht zu gewähren, möchte Monika aus Angst vor Männern lieber unter der Brücke nächtigen.

Als Ella kurz darauf auf die Straße zu Monika zurückkehrt, steht diese in Flammen. Wer hat die Obdachlose im Schlaf angezündet? Die Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) ermitteln im Obdachlosen-Milieu und treffen auf Schicksale, die sie sich nicht mal in ihren schlimmsten Träumen hätten vorstellen können.

Hintergrund

Dietmar Bär sagt über diesen Fall: "Was mir ganz selten passiert, da es, für mich, eigentlich immer eine professionell bedingte kritische Distanz beim Anschauen unserer Tatort-Produktionen gibt: Der fertige Film hat mich extrem bewegt... und dann sieht man zwei eigentlich doch sehr erfahrene Kriminalpolizisten durch diese tragische und todtraurige Geschichte laufen, die immer mehr gewahr werden, dass sie das Thema 'obdachlose Frauen', auch in der hier geschilderten Verbindung mit häuslicher Gewalt, noch gar nicht so richtig im Fokus hatten – und ich habe das Gefühl, ihren beiden Darstellern ist es ziemlich ähnlich gegangen…"

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Erneut schafft es der "Tatort" Probleme in unserer Gesellschaft so zu beleuchten, dass sie einem unangenehm unter die Haut gehen. Gewalt gegen Frauen, Vergewaltigungen, obdachlos trotz Vollzeitstelle, drohende Wohnungslosigkeit, Einsamkeit und das Leben auf der Straße - diese Themen sind natürlich wichtig, aber sehr, sehr deprimierend. Dem düsteren Szenario zum Trotz schafft es der Fall auf eine intelligente Art und Weise die Handlungsstränge so zu verweben, dass sie ohne erhobenen Zeigefinger spannend bleiben. Die authentischen Charaktere, die fassungslosen Ermittler und die schauspielerischen Leistungen vermitteln dem "Tatort: Wie alle anderen auch" ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit.

Am Ende sind zudem echte Obdachlose zu sehen, die einem zusammen mit der Auflösung des Falls, die gesamte Dramatik noch ein Mal deutlich und sehr bewegend vor Augen führen.