"Nachtschicht: Blut und Eisen": Armin Rohde in Höchstform

Inmitten von Nazis und neuen Kollegen trifft Armin Rohde in "Nachtschicht" den richtigen Ton - eine perfekte Mischung aus Comedy- und Krimi-Unterhaltung.

Neue Kolleginnen, neue Räume und endlich ein Krimi, der die Pandemie nicht unter den Teppich kehrt. Die 17. Folge "Nachtschicht" (Montag, 29. März, 20.15 Uhr im Ersten und bereits in der Mediathek) ist aktueller denn je und knüpft sehr kurzweilig an den Humor der ersten Folgen an. Lars Becker, der seit 2002 als Autor und Regisseur für diese Reihe verantwortlich ist, gelingt endlich wieder ein Volltreffer.

Anfang: "Nachtschicht: Blut und Eisen"

Darum geht's in "Nachtschicht: Blut und Eisen"

Kein Wunder, dass der Koch Kevin Kruse (Aurel Manthei) keine neue Arbeit findet. Mit seinem Vorstrafenregister und seinem Heil-Hitler-Tattoo im Nacken macht er schließlich nicht gerade einen sympathischen Eindruck. Dabei will der Neonazi doch nur kochen. Kurz vor einem erneuten Bewerbungsgespräch setzt er sich eine Sturmhaube auf und nimmt ein Drohvideo auf, in dem er den Tod des Personalchefs ankündigt, sollte dieser ihm keinen Job geben. Mübariz Pettekaya (Kais Setti), der das Gespräch mit Kevin führt, wurde zum Glück gewarnt und stellt den Koch zum Schein ein. Derweil rufen die Kollegen die Polizei.

Während Kevin mit seiner hochschwangeren Frau Mabel (Marleen Lohse) seine Neuanstellung im Restaurant feiern will, rückt Erichsen (Armin Rohde) mit seinen zwei neuen Kolleginnen, der Hauptkommissarin Tülay Yildirim (Idil Üner) und der Nachwuchspolizistin Lulu Koulibaly (Sabrina Ceesay) an, um ihn mit aufs Präsidium zu nehmen.

Wieder auf freiem Fuß wird Kevin von seinen Kameraden dazu ermuntert, seine Drohung umzusetzen, schließlich habe er ja den Job nicht bekommen...

Hintergrund: Armin Rohde im Interview

Die 17. "Nachtschicht" war im Juni 2020 eine der ersten Produktionen, die unter Pandemiebedingungen gedreht wurde. Woran erinnern Sie sich noch besonders?

Armin Rohde: An unsere Hygienebeauftragte. Sie war toll. Sie war wie eine Dompteuse, denn sie musste überall gleichzeitig sein und auf uns aufpassen, uns daran erinnern, wann und wo wir Masken tragen mussten, welche Abstände einzuhalten sind, was wir anfassen durften und was nicht. Wie wir alle, hatte sie das noch nie gemacht. Es gab bis dahin ja kein Beispiel, wie man es richtig macht. Wir hätten das im Film natürlich auch noch mehr thematisieren können, aber das hätte bei der Art von Komik, die der "Nachtschicht" zu eigen ist, nicht funktioniert. So haben wir die im Sommer noch ungewohnte Situation einfach spielerisch mit einfließen lassen.

Erichsen bekommt zwei neue Kolleginnen, Tülay und Lulu. Wie kommt er mit dieser neuen Situation klar?

Erichsen braucht ein wenig, um sich auf diese neue Situation einzustellen. Er kommt aus einer anderen Zeit und ist nicht so geübt darin, einen 30 Jahre jüngeren Menschen als Vorgesetzten zu akzeptieren. Eigentlich begegnet Erichsen allen Menschen immer auf Augenhöhe, aber in der Situation kommen einige Dinge zusammen. Neue Räumlichkeiten, die alten, geliebten Kolleginnen wurden versetzt, plötzlich sind da zwei Neue. Er ist sich nicht sicher, ob die junge Kollegin Lulu, die gerade von der Uni kommt, schon soweit ist, um einen Fall zu lösen. Man merkt der Figur diese erste Verunsicherung an. Erichsen fehlt anfangs seine gewohnte Souveränität.

Überall in der Welt, auch in Deutschland, sind Populisten und Rechte auf dem Vormarsch. Sie haben sich dazu schon häufiger geäußert. Wie wichtig ist es, dass Künstler diese Themen aufgreifen?

Gerade als Künstler sollte man seinen Bekanntheitsgrad dafür nutzen, sich gegen diese verbohrte, geschichtsleugnende Großmäuligkeit zu stellen, die von rechts kommt. Es gibt sie zwar, die AfD-Anhänger, Rechtsradikalen, Nazis und gewaltbereite Konsorten, die daran arbeiten, die Demokratie zu destabilisieren und die Institutionen zu unterwandern. Aber sie sind längst nicht so viele, wie sie tun. Wir sollten uns nicht verwirren und ängstigen lassen.

Interview: ZDF

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Was für ein herrlich skurriler, kurzweiliger und zynischer Krimi mit jeder Menge feinster Situationskomik: Ein Nazi der bei einem türkischstämmigen Personalchef ein ernstgemeintes Vorstellungsgespräch führt. Ein rechter Parteivorsitzender, der sich nicht von ausländisch aussehenden Personen, die aber aus Osnabrück und Bremerhaven stammen, verhören lassen will. Diese eigentlich sehr ernsten Themen sind so ironisch dargestellt, dass man häufig nicht weiß, ob man weinen oder lachen soll.

Und trotz der absurden Momente fühlen sich die Charaktere so echt an - der einfache, minderbemittelte Neonazi, der doch nur kochen will und in seiner Naivität fast schon mitleiderregend rüberkommt, die beschränkten Parteikollegen, die verschrobenen Verhörtechniken von Erichsen. Dazu die langausgespielten Szenen und die einfach (man muss es so sagen:) krassguten Dialoge machen diese Nachtschicht zu einer der besten und amüsantesten seit langem.