Im Film "Gefangen" gerät ein Mann aus der Spur

"Gefangen", der FilmMittwoch im Ersten, mit Frankfurter "Tatort"-Star Wolfram Koch beruht auf einer wahren Begebenheit.

Harry Österreich (Wolfram Koch) wirkt im MittwochsFilm "Gefangen" (Mittwoch, 7. April, 20.15 Uhr im Ersten und bereits in der Mediathek) von der ersten Sekunde an sympathisch. Der Polizist hört im Dienst Heavy Metal-Musik, spielt dazu Luftgitarre und lässt beim Verkehrssünder Gnade vor Recht ergehen. Wenig später scheint jegliche gute Laune für immer verloren zu sein.

Darum geht's in "Gefangen"

Bei einer Verkehrskontrolle hält der Polizist Harry Österreich einen Autofahrer (Godehard Giese) an. Obwohl dieser am Steuer telefoniert hat, lässt Harry ihn nach einem netten Plausch ohne Konsequenzen weiterfahren.

Tags darauf kommt Harry zufällig als erster bei einem schweren Verkehrsunfall an. Was sich ihm offenbart, gleicht einem Schlachtfeld. Eine Frau liegt tot im Gras. Als er den Fahrer aus dem Auto zieht, erkennt Harry den Mann, den er zuvor mit dem Handy am Ohr erwischt hat. Dieser stirbt in seinen Armen. Auch für die beiden Mädchen der Familie, die hinten im Auto saßen, kommt jede Hilfe zu spät.

Während sein Kollege, der mit ihm am Unfallort war, in Tränen ausbricht, bleibt Harry völlig ruhig. Nachdem die Toten abtransportiert wurden, fährt er sogar noch zu dem Haus der Opfer.

Und auch am nächsten Tag scheint Harry das Erlebte zu verdrängen. Er verbringt mit seiner schwangeren Frau Ellen (Antje Traue) und seiner Tochter aus erster Ehe, Vicky (Lola Liefers), einen fröhlichen Tag im Schwimmbad.

Seine Chefin schickt Harry zum psychologischen Dienst, doch er beteuert diese Hilfe nicht zu benötigen. Immer häufiger zieht es ihn stattdessen zum leerstehenden Haus der toten Familie. Schließlich will er es sogar kaufen. Er scheint regelrecht in das Leben des verstorbenen Familienvaters zu einzutauchen.

Hintergrund: Wolfram Koch im Interview

Herr Koch, der Fernsehfilm "Gefangen" ist ein sehr ungewöhnlicher Film. Was hat Sie überzeugt, die Rolle von Harry anzunehmen?

Ich fand das Drehbuch extrem interessant und habe sofort zugesagt. Dass die Geschichte von Elke Hauck auf einem wahren Fall beruht, hat mich besonders beeindruckt. Mir gefiel die Idee, einen Mann zu spielen, dessen Leben sich nach einem traumatischen Erlebnis ganz leicht verschiebt. Der Polizist Harry, den ich darstelle, versucht, nachdem er eine vierköpfige Familie nach einem Unfall tot aus dem Auto ziehen musste, so weiter zu leben und zu arbeiten wie bisher, aber dann geschieht plötzlich etwas mit ihm.

Während eines seiner Besuche badet er in dem benachbarten See, malt sich mit Schlamm an, als wolle er jemand anderer sein …

Er möchte in eine andere Haut schlüpfen, vielleicht auch ganz verschwinden. Die Situation kippt, als Harry sich nach dem Schwimmen in dem See einen Pullover des Familienvaters anzieht und sich seinen Bart so rasiert wie dieser. Obwohl Harry versucht, sich gegenüber seiner neuen jungen Frau und seinen Kollegen im Polizeipräsidium so normal wie möglich zu verhalten, arbeitet der Schock in ihm.

Warum sperrt sich Harry gegen die ihm angebotene professionelle Hilfe?

Wie meist in solchen Fällen meint man, selbst damit fertig zu werden. Auch Harry glaubt das.