"Das Versprechen": Wenn der Vater Depressionen hat

Der Film "Das Versprechen" zeigt sehr eindringlich wie Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen umgehen.

Die Dunkelziffer, besonders in Zeiten der Pandemie, scheint hoch zu sein. Aber bereits vor COVID-19 wurde in Schätzungen davon ausgegangen, dass etwa 3,8 Millionen Kinder in Deutschland mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil aufwachsen. Wie ohnmächtig sich ein solches Kind fühlen muss, zeigt auf eindrückliche Art und Weise der Film "Das Versprechen" (Montag, 26. April, 20.15 Uhr im ZDF und bereits in der Mediathek).

Anfang: "Das Versprechen"

Darum geht's in "Das Versprechen"

Bendix (Mika Tritto) ist eine Sportskanone. Beim Spendenlauf schafft der elfjährige mehr Runden als die meisten Gleichaltrigen. Doch dann trifft er auf Jule (Ella Morgen), die offensichtlich beim Wettkampf versagt hat. In einem Versteck fügt sich die 16-jährige absichtlich mit einer glühenden Zigarette tiefe Verbrennungen an den Beinen zu. Bendix ist irritiert, aber auch neugierig.

Am nächsten Tag versucht er sie nach der Schule abzufangen. Doch Jule ist auf dem Weg in eine Einrichtung, in der sie eine Therapie macht. Ihrer Ärztin Dr. Kahl (Barbara Auer) erzählt sie, dass sie sich so fühlt, als würde manchmal eine Springflut über sie hinwegrollen, bei der sie aufhört der Kapitän über ihr eigenes Boot zu sein: "Es wäre besser, wenn es mich nicht gäbe. Ich bin für niemanden gut", so ihr schockierendes Geständnis. Jules Eltern Sina (Christina Große) und Daniel (Oliver Stokowski) sind mit der Diagnose ihrer Tochter (Disruptive Mood Dysregulation Disorder) überfordert. In der einen Sekunde springt Jule fröhlich auf dem Trampolin, in der nächsten rastet sie komplett aus.

Währenddessen hat Benedix alle Hände voll zu tun, für seinen Vater Fabian (Andreas Döhler), der immer öfter ins Leere starrt, da zu sein. Er schreibt ihm Klebezettel, damit der alleinerziehende U-Bahnfahrer bei der Arbeit nicht das Essen vergisst, kümmert sich um den Haushalt und verheimlicht in der Schule diesen Ausnahmezustand. Durch die sich vorsichtig anbahnende neue Freundschaft zu Jule lernt Benedix die Krankheit seines Vaters immer besser zu verstehen. Dieser scheint an einer schweren Depression zu leiden. Doch um ihm zu helfen muss Benedix in eine Pflegefamilie, - etwas, was sich der Junge unter gar keinen Umständen vorstellen kann. Als er dennoch abgeholt werden soll, greift Benedix zu drastischen Mitteln.

Hintergrund: Andreas Döhler im Interview

Andreas Döhler, wie haben Sie sich auf die Rolle des depressiven Vaters vorbereitet?

Andreas Döhler: Ich habe recherchiert. Mich im Vorfeld mit dem Thema Depression beschäftigt. Reportagen geschaut, Artikel gelesen und versucht, Krankheitsbilder zu verstehen. Ein konkreter Zugang zur Figur war auch, wie sich depressive Schübe in der Körperlichkeit von Betroffenen zeigen können. Darüber hinaus gab es Gespräche mit dem Regisseur Till Endemann.