Zum 80. Geburtstag von Senta Berger: "Sie ist von Liebe erfüllt"

Was für ein reiches Leben! Schauspielerin Senta Berger feiert ihren 80. Geburtstag. Exklusiv in HÖRZU und GOLDENE KAMERA gratulieren Mann und Sohn.

Sie gehört zu den Menschen, deren Mundwinkel gefühlt immer nach oben zeigen. GOLDENE KAMERA-Preisträgerin von 2010 Senta Berger, die Grande Dame des deutschen Films mit der sanften Stimme und dem angenehm weichen Wiener Akzent.

Am 13. Mai feiert eine unserer größten Schauspielerinnen ihren 80. Geburtstag. Kaum zu glauben! Seit 64 Jahren steht sie vor der Kamera. In den 1960er-Jahren eroberte sie Hollywood, war insgesamt in mehr als 150 Rollen zu sehen. So himmlisch ihre Karriere auch ist, ihr größter Schatz bleibt die Familie. In diesem Jahr feiert die vielfach ausgezeichnete Aktrice mit Regisseur Michael Verhoeven (82) den 55. Hochzeitstag. Gemeinsam genießen sie das Glück mit den Söhnen Simon (48), Luca (42) und vier Enkeln. Das Fernsehen ehrt Senta Berger diese Woche im Programm:

Senta Berger im TV:

AN SEINER SEITE (Montag, 10. Mai, um 20.15 Uhr, ZDF und bereits in der Mediathek): Ein großer Dirigent (Peter Simonischek) erlebt, dass seine Frau (Berger) eigene Wege geht.

FLIEGEN LERNEN: SENTA BERGER DOKU (Donnerstag, 13. Mai, 22 Uhr, BR) In einem Porträt führt die Schauspielerin selbst an die Orte ihrer fast 70-jährigen Karriere.

DIE HOCHZEIT MEINER ELTERN (Sonntag, 9. Mai, 21.45 Uhr, 3sat) Betty (Berger) und Peter (Günther Maria Halmer), seit 45 Jahren ein Paar, heiraten plötzlich.

Bei uns gratulieren Michael und Simon Verhoeven und blicken auf ihr aufregendes Leben.

Michael und Simon Verhoeven im Interview

GOLDENE KAMERA: Ihre Familie kennt die Schauspielerin so gut wie keiner sonst. Was zeichnet Senta Berger aus?

Michael Verhoeven: Sie ist sehr behutsam im Umgang und sehr loyal. Man kann sich auf sie verlassen. Sie hat natürlich ihre Standpunkte – es macht ihr Spaß, sich mit der Familie oder auch mit Kollegen auseinanderzusetzen. Aber sie hält ihre Meinung hoch.

Simon Verhoeven: Sie ist von großer Liebe erfüllt. Für ihre Familie, aber auch für ihren Beruf. Das spüren alle, die mit ihr zu tun haben. Sie hat eine große Lebenskraft. Ein fast kindliches Staunen, das sie sich bewahrt hat, eine Neugierde, von der man angesteckt wird. Sie sieht in jedem Tag etwas Besonderes, in allem eine Geschichte. Wenn sie vom Einkaufen nach Hause kommt, macht sie die Gemüsefrauen nach oder früher auch meine Lehrer. In jedem Menschen sieht sie einen möglichen Filmhelden. Sie ist eine meinungsstarke Frau, mit der man trefflich streiten kann.

Hintergrund

Das hat Michael Verhoeven kurz nach dem Kennenlernen 1963 in Berlin erlebt. Die beiden diskutierten so heftig, dass er schließlich aus dem Auto ausstieg. Insgeheim genoss er das Zanken mit ihr, er war begeistert von ihrer Intelligenz. 1963 drehten sie erstmals zusammen: „Jack und Jenny“. Da gab es den ersten Kuss. Bald darauf drehte sie in Hollywood, 1965 „Der Schatten des Giganten“ an der Seite von Kirk Douglas und Yul Brunner.

GOLDENE KAMERA: Wie schwer fiel es Ihnen, Senta Berger nach Hollywood ziehen zu lassen?

Michael Verhoeven: Die Trennung war bitter. Wir haben jeden Tag stundenlang telefoniert und uns gegenseitig täglich kleine Tonbänder per Post geschickt.

Simon Verhoeven: Warst du eifersüchtig?

Michael Verhoeven: Nein. Das war ja das Komische. Das wurde mir auch als Hochmut ausgelegt. Ich hatte ein großes Vertrauen zu ihr – mit Recht. Die Art und Weise, wie sie mir ihren Alltag beim Drehen geschildert hat, da hatte ich immer das Gefühl, sie will eigentlich nur zu Hause sein – bei mir.

GOLDENE KAMERA: Hat sie damals von sexuellen Übergriffen erzählt, etwa durch O. W. Fischer?

Michael Verhoeven: Darüber hat sie lange Zeit nicht gesprochen. Erst als sie 2005 ihr Buch „Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann“ geschrieben hat.

Hintergrund

Die gebürtige Wienerin hatte den Kollegen Fischer noch während des Drehs zur Rede gestellt. Sie war schon immer eine Frau mit Haltung. 1969 kehrte sie zurück nach Europa und drehte zunächst in Italien, spielte bei den Salzburger Festspielen und an den großen Bühnen in Wien, Hamburg, Berlin.

GOLDENE KAMERA: Wie sehr haben Sie Ihre Mutter vermisst, wenn sie gearbeitet hat?

Simon Verhoeven: Wir waren oft dabei. Als Dreijähriger bin ich auf Filmsets mit dem Dreirad herumgefahren. Und zu Hause waren wir wahnsinnig gut bei meiner Großmutter aufgehoben, eine geniale Oma. Die Mama ist auch nur für zwei Stunden nach Hause geflogen, um Zeit mit uns Kindern zu verbringen, und kehrte abends für die Vorstellung zurück.

GOLDENE KAMERA: Wie war die Atmosphäre im Elternhaus?

Simon Verhoeven: Wir sind in einem sehr kreativen, liebevollen, lebendigen Haus aufgewachsen, aber auch in einem, in dem man dazu angehalten wird, hart an sich zu arbeiten und etwas von sich zu verlangen. Gern haben sie Besuch von Verwandten und Freunden gehabt, etwa Friedrich von Thun. Natürlich waren auch Kollegen wie Mario Adorf oder Heiner Lauterbach da. Die besten Freunde meiner Eltern haben aber nichts mit Film zu tun.

Hintergrund

Mit „Kir Royal“ feierte Senta Berger 1986 ihren Durchbruch im TV. „Die schnelle Gerdi“ war 1989 ein Riesenerfolg. Eine Rolle, die sie gemeinsam mit ihrem Mann entwickelt hat.

Michael Verhoeven: Diese „Gerdi“-Zeit gehört mit zu den schönsten Jahren meiner Arbeit. Obwohl wir die sechs „Gerdi“- Filme Szene für Szene kannten, haben wir sie bei der Ausstrahlung gemeinsam angesehen, über die Pointen gelacht, die wir uns ausgedacht hatten.

Simon Verhoeven: Der Erfolg in Deutschland hat meine Mutter absolut glücklich gemacht. Sie strotzte vor Kraft und Spiellaune. Oft hat sie mit meinem Vater die Rollen zu Hause durchstudiert, gelesen und geprobt. Da sieht man als Kind die Arbeit, die dahintersteck.

Hintergrund

Zu den wichtigsten Werken von Senta Berger gehören auch „Frau Böhm sagt Nein“, „Willkommen bei den Hartmanns“ und „Unter Verdacht“.

GOLDENE KAMERA: Ihre Familie wirkt sehr harmonisch, zudem arbeiten Sie alle in der gemeinsamen Produktionsfirma Sentana. Wie funktioniert das?

Simon Verhoeven: Die Firma ist eigentlich eine Fortsetzung der Familie. Es gehört viel Glück dazu. Etwa dass meine Eltern sich getroffen und verliebt haben. Sie haben so viel miteinander erlebt, auch mit uns Kindern, dass sie sich niemals hätten vorstellen können, diesen Kern zu verlassen. Sie sind als Menschen sehr zäh. Bei Krisen, die sie sicher auch durchlitten haben und in denen andere gesagt hätten: „Es reicht, ich gehe“, sind sie loyal geblieben und haben diese so durchgestanden.

GOLDENE KAMERA:Was wünschen Sie Ihrer Senta Berger?

Simon Verhoeven: Dass sie sich weiterhin von den Anstrengungen des Alters nicht traurig machen lässt und sich diese staunende, neugierige Kinderseele bewahrt.

Michael Verhoeven: Ich möchte, dass sie gesund bleibt und dass sie so ist, wie sie ist, so lange es irgend möglich ist. Und dass sie glücklich ist. Das ist eigentlich alles, was ich ihr wünsche.