Robert Stadlober: "Ich bin kein Freund von Massenbewegungen"

Im "Landkrimi - Waidmannsdank" setzt Robert Stadlober in seiner Rolle auf Tradition. Wir sprachen mit dem Schauspieler.

Als halbseitig gelähmter Internatsschülers Benny in "Crazy" gelang ihm der Durchbruch. Die Presse betitelte ihn oft als Rebell. Dabei wirkt Robert Stadlober im Interview mit GOLDENE KAMERA bodenständig, reflektiert und sehr offen. Der 38-Jährige verrät, warum er bei #allesdichtmachen nicht mitgemacht hat, was Österreich ihm bedeutet und warum er keinen Kredit bekommt.

Darum geht's in "Landkrimi - Waidmannsdank"

Im "Landkrimi - Waidmannsdank" (Montag, 31. Mai, 20.15 Uhr im ZDF und in der Mediathek) spielt er einen Bauern, der gegen den Willen seines Vaters an der Tradition festhalten und den Familienhof weiter bewirtschaften will.

Trailer: "Waidmannsdank"

Hintergrund

Durch sein Talent wurde Stadlober schon sehr früh berühmt. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören: "Sonnenallee", "Engel & Joe" und "Berlin am Meer". Zudem spielt er in den Serien "Das Boot" und "Das Institut - Oase des Scheiterns" mit.

Robert Stadlober im Interview

GOLDENE KAMERA: Sie spielen Hannes Gugenbauer junior. Erzählen Sie doch bitte in zwei, drei Sätzen etwas zu dieser Rolle.

Robert Stadlober: Die Gugenbauers sind seit Generationen Bauern. Jetzt möchte Hannes Gugenbauer senior, also der Vater von Hannes, damit aufhören und auch etwas vom süßen Leben abbekommen. Er versucht seinen Sohn von dieser Idee zu überzeugen. Doch der möchte genau das Gegenteil, sprich Bauer bleiben und sogar den Hof noch vergrößern. Das führt zu einigen Verwerfungen innerhalb der Familie. Und diese führen wiederum zu Unfällen innerhalb des Dorfes.

Diese sogenannten Unfälle sind heftig. An mindestens einem Todesfall sind Sie in ihrer Rolle ja maßgeblich beteiligt. Was war für Sie schwerer – diese Stuntszene oder der Dreh, in dem Sie einen Kuhstall ausmisten?

Ausmisten kann ich ja quasi seitdem ich auf der Welt bin. Ich komme selber von einem Bauernhof. Da war die Stuntszene die größere Herausforderung, weil man die auch choreographisch umsetzen muss: Ich spiele Gefühle, muss dabei körperlich agieren und dabei aufpassen dem oder der Kollegin nicht weh zu tun und mich nicht zu verletzen. Tatsächlich freue ich mich immer, wenn jemand die Stunts für mich übernimmt. Ich bin eher für die Abteilung Textmerken zuständig.

In Ihrer Rolle beantragen Sie gleich in der ersten Szene einen Kredit. Haben Sie je einen aufgenommen? Wofür bräuchten Sie einen?

Nein. Im Gegensatz zu meiner Rolle besitze ich keinen Bauernhof, den ich als Sicherheit angeben könnte. Mit dem Argument ich bin Schauspieler und fahre einen alten VW-Bus bekomme ich wohl eher keinen Kredit. Mir würde auch nichts einfallen, wofür. Ich war noch nie wahnsinnig interessiert an Eigentum. Ich wohne zur Miete, weil ich auch gerne mein Leben spontan ändere.

Haben Sie so wie in der Rolle auch schon mal gejagt?

Da ich keinen Jagdschein habe, werde ich einen Teufel tun, Ihnen das jetzt zu verraten.

Dies ist nach „Steirerblut“ Ihr zweiter Landkrimi. Für welchen der beiden Filme schlägt Ihr Herz mehr?

Den ersten haben wir 2012 in der Steiermark gedreht. Dieser wurde in Kärnten gefilmt. Das ist schon ein massiver Unterschied. Es ist so, als würde man in Köln und in Düsseldorf arbeiten. Von außen betrachtet merkt man nichts, aber innen ist es sehr wichtig, weil die sich gegenseitig genauso wenig mögen.

Und mit welchem fühlen Sie sich mehr verbunden?

Ich bin zwar in Kärnten geboren, aber das auch nur, weil dort eines der nächsten Krankenhäuser war. Aufgewachsen bin ich in der Steiermark. In Kärnten wird ein ganz anderer Dialekt gesprochen. Den musste ich schon üben. Aber wenn ich diese Mölltaler Mundart gesprochen hätte, hätte es außerhalb vom Mölltal keiner mehr verstanden, schon gar nicht in Deutschland. Also musste ich einen Dialekt generieren, der danach klingt, aber auch in Hamburg verstanden wird.

Dies gehört ja zu ihren Stärken. Sie sind ein sehr erfolgreicher Sprecher…

Ja, ich habe tatsächlich ein Talent dafür, Dialekte zu hören und schnell nachahmen zu können. Das mag auch an der Waldorfschule gelegen haben, auf der ich schon ein Sprachgefühl vermittelt bekommen habe, das mir in meinem Berufsleben sehr geholfen hat.

Nach der Trennung Ihrer Eltern haben Sie den österreichischen Bauernhof von der Familie ihres Vaters verlassen und sind mit ihrer Mutter nach Berlin gezogen. Dann haben Sie abwechselnd in Hamburg, Barcelona, Berlin und Wien gelebt. Wo werden Sie in den nächsten Jahren wohnen?

Irgendwann lande ich immer wieder in Wien. Jetzt bleiben wir erst einmal hier. Für unser Leben ist Wien gerade entspannt. Die Kinder (zwei Mädchen im Alter von 2 und 5 Jahren, Anm. d. Red.) werden hier zur Schule gehen. Ich mag die Menschen, die Stadt, das Essen. Ich gehe gern spazieren und ich glaube es gibt kaum eine Stadt in Europa, wo dies so gut geht. Beispielsweise benötigt man vom Stephansplatz in der Innenstadt bis zum Wiener Wald oben aufm Berg nur eine Stunde.

Sie haben bekanntermaßen schon provokante Aussagen geäußert. Gibt es eine Schlagzeile, die Sie gern zurücknehmen würden?

Ich stehe zu dem, was ich sage. Wenn würde ich das Irrelevanteste streichen.

Polarisieren Sie?

Das hoffe ich doch! Als Kulturschaffender hat man doch den Wunsch, starke Meinungen hervorzurufen.

Stichwort #allesdichtmachen. Was denken Sie darüber?

Die wollten eine Debatte anstoßen, die jetzt geführt wird. Jeder darf dazu seine Meinung haben. Ich wurde auch gefragt, mitzumachen. Ich habe ein paar Videos gesehen und gesagt das ist nicht mein Ding. Und obwohl auch ich durchaus Kritikpunkte an Corona-Maßnahmen habe, fand ich, dass dieses Mittel nicht meines ist. Ich bin generell kein großer Freund von irgendwelchen Massenbewegungen. Bei Künstlern interessiert mich am ehesten der Solitär.

Leiden Sie persönlich auch unter den Corona-Maßnahmen? Ihre Frau arbeitet am Theater…

Klar, gibt es Einschränkungen, aber dass wir leiden ist übertrieben. Leiden tun Menschen in Gesundheitsberufen, in Supermärkten, Taxifahrer, freie Musiker, Kabarettisten. Meiner Frau wurden auch mehrere Projekte abgesagt, aber wir haben das Glück, dass ich arbeiten kann. Ich drehe seit August letzten Jahres wieder. Trotzdem wird die Kultur wohl anders bewertet als bestimmte Zweige der Wirtschaft. Wenn man beispielsweise mal die Wirtschaft runterfahren und die Kultur hochfahren würde, wäre es spannend zu sehen, ob die Zahlen steigen oder sinken.

In welchen Formaten dürfen wir Sie demnächst sehen?

Derzeit drehe ich mit Henriette Confurius und August Zirner, der erneut, wie bereits in meinem allerersten Film, meinen Vater spielt, den Thriller „Schweigend steht der Wald". Die Serie „Familiensache“ habe ich jüngst abgedreht. Darin stelle ich einen Vater von drei Kindern dar, der mit seiner Partnerin zur Paartherapie geht. Der Therapeut ist so schlecht, dass die beiden sich durch die miesen Ratschläge wieder verbunden fühlen.

Interview: Kristina Heuer