Günther Jauch: "Ich bin hart, aber ungerecht!"

Moderator Günther Jauch in der 1500 Folge von "Wer wird Millionär?".
Moderator Günther Jauch in der 1500 Folge von "Wer wird Millionär?".
Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius
RTL-Moderator Günther Jauch im Exklusiv-Interview über die 1500. Folge von „Wer wird Millionär?“, seine schönsten Momente und seine Zukunftspläne.

Jubiläum für den dienstältesten RTL-Moderator! Am Donnerstag, 3. Juni feiert Günther Jauch um 20.15 Uhr die 1500. Folge von „Wer wird Millionär?“ mit einem Überraschungs-Special. Im Interview mit GOLDENE KAMERA zieht unser vierfacher Preisträger (GOLDENE KAMERA 1989, 2001, 2011und 2016) Bilanz über Kandidaten und Kritiker.

Günther Jauch im Interview

GOLDENE KAMERA: Wie feiern Sie das große Jubiläum, was erwartet die Zuschauer in der Show?

Günther Jauch: Es soll eine Überraschungssendung werden, auch für mich selbst. Was bedeutet: Ich weiß nicht, welche Gäste und filmischen Erinnerungen mich erwarten. Aber natürlich wird auch dieses Mal ganz normal um die Million gespielt.

Trailer: 1500. Folge "Wer wird Millionär"

Was war Ihr emotionalster Augenblick bei „Wer wird Millionär?“?

Der ist immer dann, wenn man jemandem einen Gewinn von ganzem Herzen gönnt und das dann am Ende auch klappt.

Ihr lustigstes Erlebnis?

Das war sicher der Gastauftritt von Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer, der kurzerhand selbst die Moderation übernahm und mich zum Kandidaten machte.

Ihr nervigster Moment?

Immer dann, wenn Menschen mit dem Anspruch antreten, dass ich Ihnen die richtige Antwort quasi auf dem Silbertablett liefern soll.

Ihre schönste Erinnerung?

Das sind in 22 Jahren einfach zu viele, um eine herauszuheben.

Ihr unvergesslichste Sendung?

Es sind so viele Momente, beispielsweise die Erleichterung, als Eckhard Freise als Erster die Million gewann. Es gab ja den Verdacht, dass man die Million bei uns gar nicht gewinnen könne. Horst Schlämmer habe ich schon genannt. Dann gab es Kandidaten, die ihren Gewinn sofort beim Finanzamt abliefern mussten. Es gab Menschen, die nach der Sendung ein völlig neues Leben anfangen konnten, wie zum Beispiel Aaron Troschke. Wieder anderen war es wichtig, mit ihrem Millionengewinn „abzutauchen“ und nie wieder ein Interview zu geben. Alles sehr spannend!

Anders als in den USA, wo „Wer wird Millionär?“ auch mal komplett weg vom Fenster war, läuft es bei Ihnen immer noch blendend. Woran liegt’s?

Das ist schwer zu sagen. Die Sendung trifft nach wie vor einen Nerv, und sie hat so herrlich einfache Regeln. Das macht sie einfach unverwechselbar.

Wie haben sich die Kandidaten im Lauf der vielen Jahre verändert?

Inzwischen ist es so, dass ältere Kandidaten eher an den Fragen zwischen 1000 und 8000 Euro scheitern, während jüngere weiter oben mehr Probleme haben. Der Anteil derer, die unbedingt Millionär werden wollen, hat abgenommen. Viele kommen mit einer bestimmten Gewinnvorstellung und basteln sich dann noch ein „Joker-Einsatzschema“. Aber die Sendung bleibt zum Glück immer absolut unberechenbar.

Welche Kandidaten quälen Sie am liebsten?

Die arroganten, besserwisserischen oder furchtbar langweiligen.

Im April gab’s viel Missmut bei Twitter, weil Sie dem Kandidaten Jonni di Sante geholfen haben – während Sie andere nicht unterstützen. Was steckt hinter dem „Mal so, mal so“?

Diese Beschwerden gibt es immer, und sie prallen an mir völlig ab. Die Kandidaten sitzen weder vor einem irdischen noch vor dem Jüngsten Gericht. Was bedeutet: Es gibt keinen Code, dass ich dreimal vor einer falschen Antwort warnen müsse, bevor ich sie dann einlogge. Ich bin also durchaus hart, aber ungerecht. Und vor allem unberechenbar. Sonst würde die ganze Sendung berechenbar und damit sterbenslangweilig ablaufen.

Wie schwierig ist es, „Wer wird Millionär?“ über die Jahre immer wieder neu zu erfinden, damit das Quiz noch interessant bleibt?

Es gab behutsame Anpassungen und Auf[frischungen. Mal ein Zocker-Special, mal Motto-Sendungen, mal hier und da eine neue Joker-Idee. Am Kern der Sendung aber sollte man nichts ändern.

Geben Sie selbst Input für Ideen wie ein Zocker-Special oder ein Großeltern-Special, oder überlassen Sie das komplett der Redaktion?

Meistens haben andere die Ideen und tragen sie mir vor. Dann entscheiden wir gemeinsam, ob wir das machen oder nicht.

Wie hat das Quiz Ihr Leben und Sie persönlich verändert?

Es prägt einen durch die lange Zeit sicher mehr als andere Sendungen. Aber „Stern TV“, „Das aktuelle Sportstudio“, die Champions League und das Skispringen sind auch noch vielen im Gedächtnis. Besonders oft werde ich auf den Polittalk nach dem „Tatort“ angesprochen. Daran erinnern sich auffallend viele Menschen.

Sind Änderungen geplant im Konzept von „Wer wird Millionär?“?

Ich hoffe nicht.

Der Fernsehmarkt hat sich im Lauf von 1500 Folgen fragmentiert. Ist Ihre Quizsendung immer noch Lagerfeuer-Fernsehen?

Ja, der Fernsehmarkt ist so groß wie nie, und das lineare Fernsehen muss kämpfen. Die Sendung hat sich tatsächlich auch in schwerer See immer gut gehalten.

Talkshows, Telenovelas, Trödelshows – heute ist dieses TV-Genre modern, morgen jenes. Doch Quizshows erscheinen als „unkaputtbar“. Stimmt das, oder gibt es Hinweise, dass auch hier ein Ende des jahrelangen Trends absehbar ist?

Mich wundert auch, dass selbst die zahlreichen Kopien von „Wer wird Millionär?" zum Teil ebenfalls ordentlich laufen. Es liegt anscheinend ein unwiderstehlicher Reiz darin, sich mit anderen Menschen zu messen, wenn es um Wissen geht.

Wie lange wollen Sie „Wer wird Millionär?“ noch moderieren?

Das ist die Eine-Million-Euro-Frage! Sicher so lange, wie das Publikum, der Sender und ich selbst Freude daran haben.

Haben Sie und RTL immer noch einen Vertrag nur per Handschlag?

Ja. Das klingt absurd, aber es ist genau so.

Gibt es die Sendung wohl auch noch in zehn Jahren?

Das halte ich für unwahrscheinlich. Irgendwann ist es gut – und noch besser, wenn man dann selbst den richtigen Zeitpunkt für die allerletzte Sendung findet.

RTL erneuert sich gerade. Bekommen Sie weitere Formate?

Das weiß ich nicht, und es muss auch nicht sein.

Sie haben mal gesagt, dass Sie wenig von der Welt gesehen haben. Steht Reisen ganz oben auf Ihrer Rentenagenda?

Nein, davon bin ich wegen Corona im Moment ziemlich weit weg. Außerdem habe ich tatsächlich so viel zu tun, dass ich zurzeit nicht zum Reisen komme.

Stichwort WWM-Prominenten-Special: Welchen Promi, der noch nie dabei war, wünschen Sie sich für die Show?

Niemand Bestimmten. Entscheidend ist, dass es in der Sendung spannend und lustig zugleich zugeht. Dann haben alle richtig Spaß – unabhängig davon, wie prominent oder unbekannt die Kandidaten sind.

Interview: Mike Powelz

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