Glenn Close ist "Die Frau des Nobelpreisträgers"

Das Sommerkino im Ersten präsentiert den ergreifenden Film "Die Frau des Nobelpreisträgers" (Dienstag, 13. Juli, 22.50 Uhr im Ersten und danach in der Mediathek).

Diese Frau steht seit Jahrzehnten hundertprozentig hinter ihrem Mann. Demütigungen, Affären, Lügen, sein Narzissmus - nichts hat sie davon abgehalten, an seiner Seite zu bleiben. Doch als er den Nobelpreis in Literatur verliehen bekommt, reißen bei der mittlerweile älteren Dame alte Wunden auf.

Diese durch und durch spannende Frauenrolle wird grandios von der GOLDENEN KAMERA-Preisträgerin von 1993 Glenn Close verkörpert.

Darum geht's in "Die Frau des Nobelpreisträgers"

Klare Ansage: "Du musst auch nichts tun, außer dazuliegen" - so fordert Joe Castleman (Jonathan Pryce) Sex von seiner Frau Joan (Glenn Close) ein. Und tatsächlich geht diese trotz ihres Desinteresses auf seinen Wunsch ein. Nachdem er sein Verlangen gestillt hat, klingelt mitten in der Nacht das Telefon. Der Anruf kommt aus Schweden: Castleman wurde für den diesjährigen Nobelpreis für Literatur auserwählt. Die Freude des amerikanischen Schriftstellers ist unermesslich. Gemeinsam mit seiner Frau hüpft er vor Freude auf dem Bett.

Schon wenige Tage später begibt sich das Ehepaar Castleman gemeinsam mit ihrem Sohn David (Max Irons) auf die Reise zur Verleihung nach Stockholm.

Bereits im Flugzeug werden die drei von dem aufdringlichen Autoren Nathanial Bone (Christian Slater) behelligt. Dieser plant eine Biografie über Castleman zu schreiben. Doch der ist von der Idee wenig begeistert. Im Hotel spricht Bone Joan erneut an. Er konfrontiert sie mit seinem Verdacht, dass in Wirklichkeit sie die Romane ihres Mannes geschrieben und in seinem Name veröffentlicht habe. Stimmt diese Unterstellung?

Ein Rückblick beginnend mit dem Jahr 1958 zeigt, wie sich das Paar am Smith College kennenlernte und die Karrieren der beiden Schriftsteller sehr unterschiedliche Wege nahmen.

Hintergrund

Bei den Rückblenden wird die Rolle der jungen Joan von Annie Maude Starke, der Tochter von Glenn Close, gespielt. Der Sohn wird von Max Irons, dem Sohn von Sinéad Cusack und Jeremy Irons, verkörpert.

Close erhielt für die Darstellung der gepeinigten Frauen u.a. den Golden Globe 2019 und eine Oscarnominierung. Die Geschichte beruht auf dem Roman "Die Ehefrau" von Meg Wolitzer. Die Inszenierung übernahm der schwedische Regisseur Björn Runge. Das Drehbuch schrieb Jane Anderson.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Wie viel Leid kann eine Beziehung ertragen, bevor sie zerbricht? Es geht um Moral, Demütigung, Aufopferung, Narzissmus - und vor allem die Stellung der Frau in unserer Gesellschaft. Obwohl die Erzählung ruhig und einfach gehalten ist, greifen diese Themen spannend ineinander. Eigentlich dürfte doch eine talentierte Person aufgrund ihres Geschlechts nicht benachteiligt sein. Warum stecken dann aber selbst heute noch Frauen hinter den Karrieren ihrer Männern zurück? Schon das Buch von Meg Wolitzer macht nachdenklich. Die Leinwandadaption setzt dieses Dilemma sehr gelungen mit leisen Zwischentönen um. Je mehr die scheinbar heile Fassade bröckelt, desto tiefer werden die Abgründe.

Besonders die hervorragende, wahrhaft meisterliche Spielkunst von Glenn Close fesselt. Wie sie ihre eigene Identität verleugnet, Demütigung erträgt, sich aufbäumt und wieder die Familie an erste Stelle setzt, ohne sich selbst als Opfer darzustellen, fasziniert.

Aber auch Jonathan Pryces Darbietung überzeugt. Im gemeinsamen Spiel werfen sich Close und Pryce gekonnt die Bälle zu. Ihre Diskussionen, Klärung der Machtverhältnisse, ihr ringen um Autonomie und dann wieder ihr Zueinanderfinden sind tiefgründig und ergreifend.