Das ist das neue „heute“-Studio

Konzentration aufs Wesentliche: Das ZDF hat seine Nachrichtenzentrale auf den neuesten Stand gebracht. Am 19. Juli ist Premiere.

Die Insel ist weg. Elf Meter lang war der riesige Tisch mit den drei geschwungenen Armen, an dem uns jeden Tag die Moderatoren von „heute“ und „heute-journal“ begrüßten – die vergangenen zwölf Jahre lang.

Im neuen Studio, aus dem vom 19. Juli an gesendet wird, steht ein deutlich kleineres Möbelstück. Mit seiner Oberfläche aus Nussbaum und einer Verblendung aus dem schneeweißen Kunststein Corian wirkt der L-förmige Tisch nicht weniger elegant, aber trotzdem sehr viel schlichter. Und das soll auch so sein: Dienten die opulenten Ausleger des alten Tischs aus verschiedenen Perspektiven noch als Theke für mehrere Sendungen, etwa auch für das „Mittagsmagazin“, geht es am neuen künftig um nichts anderes als die Nachrichten.

„Wir konzentrieren uns auf unsere Flaggschiffe“, sagt Bettina Schausten, die beim ZDF die Hauptredaktion Aktuelles leitet und selbst manchmal das „heute-journal“ moderiert. „Dem trägt dieser Tisch Rechnung.“ Er wird weiterhin die einzige Kulisse sein: Alles andere im Raum ist grün. Doch davon sehen die Zuschauer nichts: Hintergründe, Filme und Grafiken werden per Computer auf diesem Greenscreen ins Bild gesetzt.

Effiziente neue Technik

Das „virtuelle Studio“ wurde beim großen Neudesign 2009 eingeführt und hat sich, so Schausten, bewährt. Darin können sich die Moderatoren frei bewegen und an 3-D-Modellen komplexe Sachverhalte erläutern – wie zuletzt etwa beim Forschungsschiff „Polarstern“.

Zu jenen, die das im neuen Studio tun werden, gehört Jana Pareigis, die Neue im Team der „heute“- Sendung um 19 Uhr. Die 40-Jährige ist seit sieben Jahren beim ZDF und kommt vom „Mittagsmagazin“. Sie wird im Wechsel mit Barbara Hahlweg und Christian Sievers moderieren. Ein Grund für die Renovierung des „heute“-Studios: Die Technik musste auf den neuesten Stand gebracht werden. Statt 195 Lampen gibt es nun 70 LED-Flächenleuchten, die viel weniger Strom verbrauchen und zudem nicht heiß werden. „Bei der Entwicklung haben wir anfangs alle gefroren“, berichtet Projektleiter Carsten Triphaus. „Bis uns klar wurde, dass wir die Klimaanlage herunterregeln müssen, weil die Lampen weniger Wärme abstrahlen.“

Auch der Kameraroboter wurde ersetzt: Der neue fährt auf Schienen und kann seine Position vorprogrammiert wechseln. Wichtig, um Kamerafahrten und -schwenks immer exakt ausführen zu können, etwa beim Einstieg in die Sendung. Hier wird das neue Design für die Zuschauer sofort sichtbar sein: Weiterhin dominiert die Farbe Blau mit einem Tupfer Orange, doch alles wirkt einen Tick frischer und zeitgemäßer. Dazu trägt auch eine neue Schrift bei, die bereits auf den Webseiten von ZDFheute.de genutzt wird – und selbst das hat eine tiefere Bedeutung: „Die Fernsehwelt mit den digitalen Angeboten zusammenzuführen wird für uns immer wichtiger“, sagt Bettina Schausten. „Das spiegelt das Design wider.“ Mit rund 300 Quadratmetern ist das neue Studio weniger als halb so groß wie das alte mit 690 Quadratmetern – vorübergehend. Diese erste Hälfte des Raums wurde renoviert, während in der anderen der Sendebetrieb weiterlief.

„Es ist eine Design-Evolution, keine Revolution“, erklärt Stavros Amoutzias, Leiter des Corporate Designs. „Mit den virtuellen Räumen und ihrer Funktionalität wurden seinerzeit Maßstäbe gesetzt. An dieser visuellen Stärke halten wir fest. Die Herausforderung war es, das Design weiterzuentwickeln, ohne den Markenkern der ZDFheute-Familie zu verändern.“

Alles für die Qualität

Ob Virtualität, neues Licht oder neuer Tisch – das alles sei „kein Selbstzweck“, so Bettina Schausten: „All dies dient immer dazu, journalistische Qualität zu liefern. Glaubwürdigkeit ist für uns das Wichtigste. Dazu gehören das Studio und ebenso jene, die darin die Nachrichten präsentieren.“ Natürlich auch die markanten Fanfaren am Anfang von „heute“ und „heute-journal“. Auch die ertönen nun ein wenig anders. Dezent-modern renoviert – wie so vieles am neuen Studio.