Ein filmreifes Leben - Fritz Wepper wird 80

Schauspieler Fritz Wepper feiert am 17. August 2021 seinen 80. Geburtstag.
Schauspieler Fritz Wepper feiert am 17. August 2021 seinen 80. Geburtstag.
Foto: © BR/Susanne Kellermann
Eine lange Karriere mit zwei Paraderollen: Zum großen Geburtstag zeigt ein TV-Film unseren Preisträger Fritz Wepper ganz privat.

Mit neun Jahren übernahm er seine erste TV-Rolle, mit elf stand er erstmals auf der Bühne, ausgewählt aus 200 Kindern. Ein Reporter fragte den „kleinen Fritz“ damals, ob ihm das gefalle, worauf er geantwortet haben soll: „Ja, ich wollte schon immer zum Theater!“

Seitdem war er infiziert, spielte sein ganzes Leben lang. Als er einmal zwei Monate ohne Engagement war und sich arbeitslos melden wollte, wurde er abgewiesen. Begründung: Er sei doch längst Ruheständler. Da war er 74, jetzt wird er 80. Aus diesem Anlass zeigt der BR das Filmporträt, das seine Frau Susanne Kellermann ihm gewidmet hat: "Mein Fritz" (Montag, 16. August, 22 Uhr und in der Mediathek).

So entstang "Mein Fritz"

Die Idee zum Film hatten die beiden schon länger, doch plötzlich drängte die Zeit: „Als Fritz letzten Sommer seine Krebsdiagnose erhalten hat, waren wir uns einig, dass wir mit den Dreharbeiten nicht länger warten sollten“, sagt die Regisseurin. Ziel war es, einen sehr persönlichen Film zu drehen. „Es war mir wichtig, Dinge festzuhalten, die so noch niemand von Fritz weiß und gesehen hat“, sagt Kellermann. „Eigentlich wollte ich das Bild, das Millionen von Menschen von Fritz haben, durch ein paar Farben ergänzen.“

Zu Besuch bei Fritz Wepper | SWR Krause kommt

Hintergrund

Wepper stand lange im Visier der Boulevardpresse, die ihn als Lebemann zeigte. Er habe sich oft wie „Freiwild“ gefühlt, sagt er. Anders als von den Medien dargestellt sei er aber ein ernsthafter, gläubiger Mensch. Geprägt haben ihn die Kriegs- und Nachkriegsjahre: Sein Vater kam nicht von der Front zurück, er erlebte am eigenen Leib, was Hunger ist. Das hat er nie vergessen.

Ein Mann mit viel Herz und Humor

Wer unseren GOLDENEN KAMERA-Preisträger von 1981Fritz Wepper persönlich kennengelernt hat, weiß, wie charmant er ist, ausgestattet mit einem großen Herzen und viel Humor. Daher liebte er auch seine Rolle als schlitzohriger Bürgermeister Wolfgang Wöller in der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ und war traurig, als sie nach 19 erfolgreichen Jahren im Frühjahr beendet wurde.

Die andere Figur, die untrennbar mit ihm verbunden wird, ist Harry Klein: erst Assistent in „Der Kommissar“ (1969 –1974), dann Inspektor bei „Derrick“. Er hat die vermeintliche Nebenrolle immer verteidigt und betont, dass die Serie von 1974 bis 1998 ein Welterfolg war. Genauso wie der erste Höhepunkt seiner langen Karriere: 1959 gewann der weltweit erfolgreiche Antikriegsfilm „Die Brücke“ einen Golden Globe und wurde für den Oscar nominiert. Sogar acht Oscars erhielt 1973 „Cabaret“ mit Liza Minnelli – doch Wepper durfte nicht zur Verleihung. Helmut Ringelmann, Produzent von „Der Kommissar“ und „Derrick“, bestand auf Drehverpflichtungen.

Wepper spielte unzählige Rollen, etwa mit Bruder Elmar in der Krimireihe „Zwei Brüder“ oder mit Tochter Sophia in „Mord in bester Gesellschaft“.

Aber die Presse stürzte sich lieber auf angebliche Affären. Im vergangenen Jahr heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Susanne Kellermann. Beide versuchen, „die Dinge nicht zu nah an sich heranzulassen“. Zumal die Zeit kostbar ist. Im Frühjahr überstand Wepper eine schwere Not-OP. Wie geht es ihm jetzt? „Wir können bei unseren Besuchen gemeinsam in der Sonne sitzen und in der Natur sein. Es gab in den vergangenen Monaten Phasen, in denen das nicht mehr im Bereich des Möglichen schien“, sagt Kellermann. „Alles, was jetzt ist und was kommt, genießen wir deshalb umso mehr.“