Jan Hofer: „In Rente gehen? Das wollte ich nie!“

In der Premierensendung begrüßt Jan Hofer die Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Annalena Baerbock.
In der Premierensendung begrüßt Jan Hofer die Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Annalena Baerbock.
Foto: Foto: TVNOW / Jörg Carstensen
Warum Jan Hofer jetzt bei RTL ist – und wie der 71-Jährige den ramponierten Ruf des Senders aufpolieren soll.

Guten Abend, meine Damen und Herren!“ Ob der frühere „Tagesschau“-Sprecher Jan Hofer die Zuschauer seiner neuen Sendung „RTL Direkt“ ab Montag, 16. August um 22.15 Uhr mit diesen Worten begrüßen wird, will er GOLDENE KAMERA im Interview noch nicht verraten: „Lassen Sie sich überraschen!“

RTL Direkt mit Jan Hoffer Vorschau

Hofers Format ist nur ein Baustein in einer Imageoffensive, die den Privatsender RTL seriöser machen soll. Das ist dringend notwendig. Erst im Juli wurde RTL-Reporterin Susanna Ohlen bei einer höchst unseriösen Tat ertappt: Für einen Bericht aus Hochwasserregionen in Nordrhein-Westfalen hatte sie sich mit Schlamm eingerieben – um glaubwürdiger zu wirken. Die Folge: große Entrüstung bei Zuschauern und in den Medien.

Mit der Verpflichtung von Jan Hofer und der früheren „Tagesthemen“-Anchorfrau Pinar Atalay will der Sender nun sein ramponiertes Image retten. GOLDENE KAMERA verrät Hofer, er sei künftig drei Wochen im Monat auf Sendung, Pinar Atalay moderiere eine Woche. Hofer, dessen Sendung in Konkurrenz zu seinem früheren Arbeitgeber „Tagesthemen“ läuft, nennt sich nun selbst „Anchorman“.

GOLDENE KAMERA: Was erwartet die Zuschauer in Ihrer neuen Sendung?

Jan Hofer: Viele Gespräche und Interviews. Mein Format ist keine reine Nachrichtensendung wie die „Tagesthemen“, sondern es geht uns darum, große Politik zu erklären. Das Wichtigste sind die Themen des Tages, zudem gibt es meistens einen Gesprächspartner sowie einen kurzen Nachrichtenblock zu Beginn der Sendung. Außerdem erwarten die Zuschauer Reporterstücke und statt der Wetteraussichten ein versöhnlicher Ausstieg.

Führen Sie Gespräche mit Interviewpartnern selbst, oder haben Sie dafür einen Co-Moderator?

Ich mache das selber, aber meine Sendung ist keine One-Man-Show. Ich habe ein Reporterteam an der Seite, und wir wollen auch versuchen, über soziale Kanäle wie Instagram viele Zuschauer einzubinden.

Was könnte aktuell das dominante Thema für die Sendung sein?

Nord Stream 2!

Die umstrittene Gaspipeline?

Während die meisten Nachrichtensendungen dazu neigen, über solch ein Thema aus dem Großstadtblickwinkel zu berichten und etwa zu erklären, dass sich Angela Merkel und Joe Biden auf Nord Stream 2 geeinigt haben, informiert RTL seine Zuschauer, die eher in Kleinstädten und auf dem Land leben, darüber, was passiert wäre, wenn sich die Politiker nicht geeinigt hätten, was die Folgen für uns alle wären.

Ein Mix aus News und Talk also?

Könnte man so sagen. Ja.

Theoretisch hätten Sie auch in Rente gehen können.

Ich hatte nie vor, in Rente zu gehen – das sage ich Ihnen ganz ehrlich. Für mich ist Rente ein schreckliches Wort.

Interview: Mike Powelz