"Stralsund: Medusas Tod": Spannende Fortsetzung

"Das Manifest" ließ Zuschauer und Ermittler unzufrieden zurück. Nun wird mit "Medusas Tod" die spannende Krimihandlung um die Treuhand fortgesetzt.

Auch der zweite Teil der neuen Stralsund-Doppelfolge beginnt mit Schüssen auf einen Menschen. Doch diesmal erkennt der Zuschauer weder die Täter noch das Opfer - selbst die Ermittler wissen zunächst nicht, wer hier ermordet wurde.

"Stralsund: Medusas Tod" zeigt das ZDF am Mittwoch, 1. September um 20.15 Uhr (hier in der Mediathek). Die vorherige Folge "Stralsund: Das Manifest" kann hier in der Mediathek geschaut werden.

Darum geht's in "Stralsund: Medusas Tod"

Kommissarin Nina Petersen (Katharina Wackernagel) bezweifelt noch immer, dass Jens Roberts (Ronald Kukulies), nachdem er den Wirtschaftsanwalt Kellermann umgebracht hat, Selbstmord begangen haben soll. Dominik Euler (Leonard Carow), der Zeuge an dem Mord war, ist auf dem Biobauernhof von Hanne Beckmann (Samia Chancrin) untergetaucht. Dort hört er in den Nachrichten plötzlich, dass nicht nur nach ihm gefahndet, sondern auch seine neun-jährige Tochter vermisst wird. Panisch begibt er sich auf die Suche nach ihr. Derweil veröffentlicht sein Kumpel Dieter Wolf (Peter Schneider) weiterhin die Akten der Treuhand im Internet.

Nina Petersen (Katharina Wackernagel) und Karl Hidde (Alexander Held) werden inzwischen zu einem weiteren Mord gerufen: Mitten in der idyllischen Natur am Wasser wurde ein Mann mit einem gezielten Kopfschuss getötet. Es sieht nach einer Hinrichtung aus. Wie sich herausstellt war der Tote ein V-Mann, der zuletzt als Mitglied der Rechtsradikalen Gruppe auf dem Biobauernhof von Hanne lebte.

Als Thomas Jung (Johannes Zirner) den LKA-Chef Lutz Hagner (Rainer Furch) darauf anspricht, dass es zwischen dem Mord und dem Verschwinden des kleinen Mädchens einen Zusammenhang gibt, mauert dieser und fordert höchste Diskretion. Was hat das LKA zu verbergen?

Hintergrund: Peter Schneider im Interview

Ellen Wirth: Was gab den Ausschlag für Sie, die Rolle des Dieter Wolf zu übernehmen?

Peter Schneider: Zum einen fand ich die Grundthematik der Bücher sehr überzeugend – zur teilweise sehr undurchschaubaren und fast kriminellen Arbeit der Treuhand ist bisher wenig erzählt worden. Zum anderen arbeite ich einfach sehr, sehr gerne mit dem Regisseur Alexander Dierbach zusammen. Und ich fand die Figur in ihrer Entwicklung sehr interessant.

Als die Treuhand 1990 ihre Arbeit aufnahm, gingen Sie noch zur Schule. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit?

Ich ging zu der Zeit zur Schule und war parallel externer Schüler an der "Spezialschule für Musik" in Halle. Meine Erinnerungen an diese Zeit sind sehr intensiv und ambivalent. Alles löste sich irgendwie auf, ein neues politisches wie wirtschaftliches System wurde dem Osten von einem Tag auf den anderen übergestülpt. Vieles, was vorher als falsch galt, war nun richtig. Der ehemals politische Feind hatte nun gefühlt das Sagen. Sehr vieles galt nicht mehr und musste neu erlernt werden.

Gerade in der Generation meiner Eltern gab es große existentielle Ängste vor Arbeitslosigkeit, die sich dann für viele leider auch einlösten. In Städten wie Zeitz oder auch Halle betrugen die Arbeitslosenquoten in den 90ern teilweise weit über 20 Prozent. Alle großen und kleinen Betriebe, gerade im Chemiedreieck oder aber auch die gesamte Maschinenbauindustrie in Zeitz, wurden von der Treuhand verscherbelt und oft dann auch abgewickelt. Die Produkte aus dem Osten hatten auf einmal keinen Wert mehr, niemand wollte sie angeblich kaufen. Die Produktivität und Effektivität ganzer Wirtschaftszweige, gemessen an der harten D-Mark, waren plötzlich eine Katastrophe und auf dem harten Markt nicht zu halten, die Produktionsmittel veraltet und kaputt. Ganze Lebensarbeitsleistungen von Menschen im Osten entwerteten sich unvermittelt. Und viele Menschen wurden auf dem Arbeitsmarkt einfach nicht mehr gebraucht. Das macht etwas mit den Menschen. Und an dieser Entwicklung hatte das zum Teil katastrophale, manchmal kriminelle Handeln der Treuhandanstalt bei der Privatisierung der gesamten DDR-Volkswirtschaft einen großen Anteil. Es war aber für mich persönlich auch eine wahnsinnig schöne Zeit des Aufbruchs und vor allem der Freiheit. Gefühlt war nun alles möglich. Die Zukunft konnte neu gestaltet werden, und die Welt stand mir offen. Ich schnappte mir mein Moped und erkundete Europa, beschloss irgendwann, Schauspieler zu werden.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Jetzt nimmt die Geschichte noch mal Fahrt auf: Die Hintergründe werden aufgerollt, die Figuren bekommen mehr Tiefe. Auch wenn das Thema weiterhin politisch ist, tritt dies zunehmend zugunsten der Schicksale und Befindlichkeiten der Personen in den Hintergrund.

Wie auch in der ersten Folge wird die Spannung nicht über die Suche nach dem/den Mörder(n), sondern durch die Verflechtungen erzeugt - dabei muss wieder gut aufgepasst werden, um diese zu verstehen. Auch wenn dieser Krimi einen viel abverlangt und mit den trüben Bildern und Themen nicht viel erhellendes liefert, so lohnt es sich doch dran zu bleiben.